Samstag , 24. Oktober 2020
Bei "Hart aber fair": Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt immernoch vor einer zweiten Corona-Welle und orientiert sich dabei an den aktuell steigenden Infektionszahlen. Schauspieler Dieter Hallervorden hält das für Panikmache. Quelle: imago images/teutopress/Future Image/RND Montage Behrens

Corona: Lauterbach warnt – Hallervorden wirft ihm Panikmache vor

Berlin. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Epidemiologe Karl Lauterbach hat am Montagabend in der Polit-Talkshow “Hart aber fair” von Moderator Frank Plasberg vor einer zweiten Corona-Welle gewarnt und Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie verteidigt. In der Sendung wurde die Rückkehr der Fans in deutsche Fußballstadien diskutiert, während in anderen Ländern die Corona-Zahlen wieder steigen.

Lauterbach hält es für einen Fehler, die Fußballstadien für die Fans wieder zu öffnen. “Das klingt so, als ob wir ein Stück weit zur Normalität zurückkehren. In Wirklichkeit ist es aber umgekehrt”, sagte Lauterbach. Im Sommer habe es weniger Infektionen gegeben, da sich die Menschen im Freien aufhielten. “Wir wissen, dass deutlich über 90 Prozent der Ereignisse, wo es zum Superspreading kommt, Innenraumereignisse sind.”

Das werde im Herbst wieder vermehrt vorkommen, und es sei naiv zu glauben, dass die Zunahme mit Corona-Infektionen Deutschland erspart bleibe.

Quarantäne verkürzen

Bei gleichbleibender Entwicklung des Infektionsgeschehens käme es in wenigen Wochen zu täglich rund 7000 neuen Fällen, prognostizierte Lauterbach. Allerdings werde das Wetter ja schlechter werden, die Neuinfektionen könnten mit dem jetzigen Konzept nicht mehr nachverfolgt werden.

Lauterbach empfahl, private Feiern auf 25 Personen zu begrenzen. Am kritischsten sieht er die Situation an den Schulen: “Die Schulen sind miserabel vorbereitet auf das, was da kommen wird”, warnte der Abgeordnete.

Einschränkung der Grundrechte?

Lauterbach verteidigte die Einschränkungen in der Corona-Pandemie gegenüber “Welt”-Autorin Susanne Gaschke, die davor warnte, “Grundrechte auf Vorrat einzuschränken”. “Ich will es ganz simpel sagen: Wir Parlamentarier haben in allererster Linie in einer solchen Notsituation die Aufgabe, das Volk zu schützen, die Menschen zu schützen. Das müssen wir machen aufgrund der wissenschaftlichen Daten, die wir haben. Wir schätzen hier nicht irgendwie ab”, sagte er.

“Dass wir derzeit wenige Fälle haben, die sterben, das ist den Maßnahmen zu verdanken, die mit Argumenten, wie Sie sie gerade vorgetragen haben, abgelehnt worden wären”, sagte Lauterbach. Schauspieler Dieter Hallervorden warf Lauterbach daraufhin Panikmache vor.

RND/lhen