Mittwoch , 28. Oktober 2020
Die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye durfte mit ihrem Schiff "Alan Kurdi" in einem Hafen vor Sardinien anlegen. Quelle: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

“Alan Kurdi”: Rettungsschiff vor Sardinien geankert

Regensburg, Rom. Nach tagelanger Irrfahrt auf dem Mittelmeer ist das deutsche Rettungsschiff “Alan Kurdi” mit 125 Flüchtlingen an Bord in Sardinien vor Anker gegangen. Italien habe dem Schiff im Hafen von Arbatax Zuflucht vor einem Unwetter gewährt, erklärte die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye am Donnerstag. Ob Arbatax der Ausschiffungshafen für die Geretteten werden könne, bleibe aber offen. Die “Alan Kurdi” hatte am Samstag in drei Einsätzen vor der libyschen Küste 133 Menschen aus Seenot gerettet und dann zunächst vor der italienischen Insel Lampedusa vergeblich auf eine Erlaubnis zur Einfahrt in einen europäischen Hafen gewartet.

Die italienische Küstenwache hatte schließlich am Dienstag zwei Frauen, einen Mann und fünf Kinder evakuiert, darunter ein fünf Monate altes Baby. Alle Bitten um eine Hafeneinfahrt waren laut Sea-Eye zunächst aber vergeblich gewesen, auch habe sich kein Land zur Koordinierung bereitgefunden. Der Kapitän entschloss sich daraufhin, den ursprünglichen Zielhafen Marseille anzusteuern, wo ein Wechsel der Mannschaft geplant war.

Appelle der französischen Regierung erfolgreich

Die französische Regierung habe noch am Mittwochabend auf eine Lösung gedrungen und erfolgreich an Italien appelliert, die humanitären Grundsätze im Fall der “Alan Kurdi” zu beachten, erklärte Sea-Eye. Um Mitternacht habe dann die italienische Rettungsleitstelle den Kapitän kontaktiert, um über die “weitere Koordinierung” zu sprechen. Zum Wetterschutz sei der Hafen in Sardinien vorgeschlagen worden. “Selbstverständlich folgen wir diesem Vorschlag”, betonte der Sea-Eye-Vorsitzende Gordon Isler, “schließlich bitten wir seit fünf Tagen um die Koordinierung unseres Falles.” Die deutschen und die italienischen Behörden müssten jetzt aber erklären, warum “man sich ganze vier Tage in Stillschweigen aus der Verantwortung gestohlen hat”.

Die Lage an Bord sei stabil, hieß es. Es seien jedoch noch immer mehr als 50 Minderjährige an Bord, darunter viele ohne Begleitung und auch kleine Kinder. Es war der erste Einsatz der „Alan Kurdi“ nach vier Monaten Pause, nachdem das Schiff von den italienischen Behörden wegen angeblicher technischer Mängel festgesetzt worden war.

RND/epd