Mittwoch , 28. Oktober 2020
Eine Angehörige der uigurischen Minderheit in China während einer Demonstration in der Region Xinjiang: Eine Studie konnte über Satellitenbilder belegen, dass China seit 2017 an Hunderten Haftlagern gebaut hat. Quelle: Oliver Weiken/dpa

Satellitenbilder: In China entstanden seit 2017 mehr als 380 Haftlager

Canberra. China hat einer Studie zufolge seit 2017 mehr als 380 Internierungslager für Angehörige muslimischer Minderheiten in der westlichen Provinz Xinjiang errichten lassen. Mindestens 14 Einrichtungen seien noch im Bau, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Recherche des australischen Think Tanks “Australian Strategic Policy Institute” (ASPI).

ASPI-Experten hätten unter anderem auf Grundlage von Satellitenbildern über 380 Standorte im Netz der Haftanstalten der Region Xinjiang identifiziert und kartiert, hieß es darin. Dabei seien nur Umerziehungslager, Haftzentren und Gefängnisse gezählt worden, die seit 2017 neu gebaut oder erheblich erweitert worden seien.

Die Erkenntnisse stehen im Widerspruch zu Angaben Pekings, die Masseninternierungskampagne in der Region zurückzufahren.

Eine Million Inhaftierte

In Xinjiang sind nach Schätzungen von Menschenrechtlern etwa eine Million Angehörige muslimischer Minderheiten inhaftiert. Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

Kritiker sprechen von Umerziehungslagern, in denen Uiguren mit teils brutalen Mitteln auf die Linie der kommunistischen Partei gebracht werden sollen. Peking nennt sie Berufsbildungseinrichtungen, die von den Insassen freiwillig besucht würden.

In China leben schätzungsweise zehn Millionen Uiguren, die meisten in Xinjiang. Sie sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen wirtschaftlich, politisch und kulturell unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan China einverleibt.

RND/dpa