Dienstag , 27. Oktober 2020
Polizisten stehen in Louisville an einer Kreuzung, nachdem ein Polizist angeschossen wurde. Quelle: John Minchillo/AP/dpa

Fall Breonna Taylor: Bürgermeister fordert Gewaltverzicht nach Schüssen auf Polizisten

Louisville. Nach den Schüssen auf Polizisten bei Protesten gegen die Justizentscheidung zum Verzicht auf Mordanklage im Fall der getöteten Schwarzen Breonna Taylor hat der Bürgermeister von Louisville in Kentucky zum Ausbleiben der Gewalt aufgerufen. „Gewalt ist nicht die Lösung“, sagte Greg Fischer am Donnerstag in der Heimatstadt Taylors. Die beiden Beamten seien außer Lebensgefahr. Ein 26-jähriger Verdächtiger sei wegen Angriffen auf Polizisten angeklagt worden.

Aktivisten, Prominente und gewöhnliche Bürger hatten eine Anklage gegen zwei weiße Polizisten gefordert, die im März Taylors Wohnung im Rahmen einer Drogenrazzia gestürmt und dabei mehrere Schüsse auf die junge Notfallsanitäterin abgegeben hatten. Eine Grand Jury entschied sich am Mittwoch aber gegen ein Strafverfahren gegen die Beamten, da sie aus Notwehr gehandelt hätten, nachdem Taylors Lebensgefährte auf sie gefeuert hatte, wie Kentuckys Generalstaatsanwalt Daniel Cameron mitteilte. Außerdem hätten sie sich zu erkennen gegeben.

Cameron zeigte sich zerknirscht. „Das Strafrecht ist nicht dazu bestimmt, auf jeden Kummer und Schmerz zu reagieren. Aber der Verlust von Frau Taylor zerreißt mir das Herz“, bekannte der schwarze Generalstaatsanwalt.

127 Festnahmen bei Protesten im Fall Breonna Taylor

Der Anwalt von Taylors Familie, Ben Crump, zeigte sich fassungslos über die Justizentscheidung. Sie sei „empörend und beleidigend“.

Unmittelbar nach der Entscheidung zogen Protestierende durch die Straßen von Louisville und riefen „No justice, no peace“, zu deutsch: „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden“. Als Mülleimer angezündet und etliche Fahrzeuge beschädigt wurden, sprachen die Behörden ein Versammlungsverbot aus. Etliche Läden wurden geplündert. Laut der Polizei in Louisville wurden 127 Personen festgenommen.

Bürgermeister Fischer sagte, einer der angeschossenen Polizisten sei am Bein verletzt und aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der zweite habe einen Bauchschuss erlitten und sei nach einer Operation auf dem Weg der Besserung. „Ich rufe alle auf, Gewalt zurückzuweisen“, sagte er. „Unsere Gemeinschaft leidet. (…) Die Frage ist offenkundig, was wir mit diesem Schmerz anfangen.“

Taylors Freund Kenneth Walker sagte der Polizei, er habe im März jemanden an der Tür klopfen gehört, jedoch nicht gewusst, wer da komme. Daher habe er aus Selbstschutz geschossen. Einer der eindringenden Beamten wurde damals am Bein getroffen, er und sein Kollege drückten daraufhin ab. Drogen wurden letztlich nicht in Taylors Apartment gefunden. Der Durchsuchungsbefehl zielte auf einen Verdächtigen ab, der dort gar nicht wohnte.

Proteste auch in vielen anderen Großstädten

Einer der beteiligten Polizisten wurde lediglich wegen drei Fällen von mutwilliger Gefährdung von Taylors Nachbarn beschuldigt, weil er in eine andere Wohnung in dem Haus gefeuert hatte. Für jeden dieser Anklagepunkte drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Er wurde zudem entlassen.

Proteste gab es auch in Städten wie New York, Chicago, Washington und Philadelphia. In Atlanta setzte die Polizei chemische Kampfstoffe ein, nachdem einige Demonstranten auf Polizeifahrzeuge zu klettern versuchten. Es gab Festnahmen. In den Staaten Minnesota und Wisconsin blockierten Protestierende friedlich den Verkehr.

Präsident Donald Trump verwies in einer Reaktion auf den Fall Taylor auf Worte von Generalstaatsanwalt Cameron. „Gerechtigkeit ist nicht immer einfach.“ Später twitterte Trump, dass er „für die zwei Polizeibeamten“ bete, „die angeschossen wurden“. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden und dessen Vize Kamala Harris forderten hingegen Polizeireformen.

RND/AP