Donnerstag , 29. Oktober 2020
Zwei Polizisten stehen vor dem Tatort der Messerattacke in Paris vom Freitag: Der Attentäter wollte eigentlich die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" treffen. Quelle: imago images/Hans Lucas

Messerangriff von Paris: Was inzwischen über den Attentäter bekannt ist

Paris. Er wollte eigentlich die Redaktion von “Charlie Hebdo” treffen. Es habe ihn “wütend” gemacht, dass das französische Satiremagazin erneut Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichte, sagte er später. Doch dass die Zeitung seit dem Terroranschlag im Januar 2015 an einen geheimen Ort umgezogen ist, war dem Mann, der am Freitag vor dem früheren Gebäude von “Charlie Hebdo” im Osten von Paris ein Blutbad angerichtet hat, entgangen.

Unvermittelt war der gebürtige Pakistaner mit einem großen Schlachtermesser auf eine 28-jährige Frau und einen 32-jährigen Mann losgegangen, die auf dem Bürgersteig vor dem Haus gerade eine Zigarette rauchten. Mit mehreren Hieben verletzte er sie jeweils schwer im Gesicht und am Kopf, in Lebensgefahr schwebten sie nicht.

Beide arbeiteten als Journalisten für die Fernsehproduktionsfirma “Premières Lignes” und hatten mit “Charlie Hebdo” nichts zu tun. Der mutmaßliche Täter, in dessen Rucksack Testbenzin gefunden wurde, sagte später aus, er hatte eigentlich das Gebäude anzünden wollen.

Kurz nach der Tat ließ er sich widerstandslos festnehmen. Da er den Ermittlern zu verstehen gab, dass er für die Tat verantwortlich war, sprach der zuständige Staatsanwalt der Antiterror-Abteilung rasch von ihm als dem “Haupttäter”.

Falsche Angaben zum Alter

Inzwischen wurde mehr über den Mann bekannt, der im März 2017 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder sein Heimatland verlassen hatte und im Sommer 2018 nach Frankreich eingereist war. Beide erhielten als unbegleitete Minderjährige Schutz, trotz Zweifel der Behörden an der Angabe des Älteren, er sei 2002 geboren.

Tatsächlich fanden die Ermittler auf seinem Handy nun das Foto eines Personalausweises, dem zufolge er heute bereits 25 Jahre alt ist. Dennoch erhielt er durch die Einstufung als schutzbedürftiger Minderjährige bis zu seinem angeblichen 18. Geburtstag im August eine Unterkunft, medizinische Versorgung und Sprachkurse.

Verdächtiger war polizeibekannt

Den zuständigen Stellen galt er als motiviert. Demnächst sollte er eine Malerlehre beginnen. Als radikalisiert war er nicht aufgefallen, doch polizeibekannt, seit er am Pariser Nordbahnhof einen Fleischermesser bei sich trug. Auf seinem Handy wurde ein Video gefunden, in dem er in religiöser Kleidung die Mohammed-Karikaturen in “Charlie Hebdo” verurteilte.

Derzeit läuft in Paris der Prozess um die Terroranschläge gegen das Satiremagazin, den Mord an einer Polizistin einen Tag später und den Angriff auf einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015. Zu diesem Anlass hatte “Charlie Hebdo” erstmals wieder Karikaturen des Propheten veröffentlicht. “Wir werden niemals kuschen”, rechtfertigte der Redaktionsleiter Riss die Entscheidung.

Kein Polizeischutz des ehemaligen Gebäudes

Auf die Zeichnungen folgten in mehreren muslimischen Ländern, darunter Pakistan, aufgebrachte Proteste. Die Terrororganisation Al-Quaida rief zu Vergeltungsmaßnahmen auf. Nun wurde Kritik daran laut, dass es keinerlei Polizeischutz des ehemaligen Gebäudes von “Charlie Hebdo” gegeben hatte.

Der französische Innenminister Gérald Darmanin sprach schnell von einem “islamistischen Terrorakt”. Doch ob der Täter im Kontakt zu einer Terrororganisation stand, gilt als unklar.

Ein 33-jähriger Mann, der unmittelbar nach der Tat als möglicher Komplize festgenommen wurde, weil ihn Aufnahmen aus Überwachungskameras der Pariser Metro im Gespräch mit dem mutmaßlichen Täter zeigten, wurde bald wieder freigelassen. Er war dem Mann gefolgt, um ihn zu stellen, ließ aber von ihm ab, als dieser ihn mit einem Teppichmesser bedrohte.

Von Birgit Holzer/RND