Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), im Bundestag mit dem Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit. Quelle: imago images/Christian Spicker

Ostbeauftragter der Bundesregierung: Atomendlager auch in Ostdeutschland möglich

Berlin. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), hat klar gestellt, dass das geplante Endlager für atomaren Müll auch in Ostdeutschland errichtet werden könnte und damit gegenteiligen Einschätzungen widersprochen. “Ich halte diese Diskussion dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung für abenteuerlich”, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Wir haben drei Jahrzehnte gemeinsam auch diesen Strom bezogen.” Aus seiner Sicht sei ein Atomendlager in Ostdeutschland zwar “nicht wünschenswert”, aber möglich. Wanderwitz betonte: “Wir brauchen objektive Kriterien für Akzeptanz.” Das Ost-West-Kriterium sei “nicht objektiv”.

Der Staatssekretär im SPD-geführten Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, schloss sich dem an. “Was für Bayern gilt, gilt auch für Thüringen: Es gibt kein Bundesland, das sich von der Endlagersuche ausnehmen kann”, sagte er dem RND. “Weder mit dem Hinweis auf vermeintlich ungeeignete Gesteinsformationen noch über die Einführung merkwürdiger Gerechtigkeitskategorien, für die es im parteiübergreifend verabschiedeten Standortauswahlgesetz keine Grundlage gibt. Es gilt für alle und allein das Auffinden des sichersten Endlagerstandortes.”

Thüringens Innenminister und neuer SPD-Vorsitzender Georg Maier hatte zuvor gesagt: “Bei der Endlagersuche muss auch einbezogen werden, dass die Atomwirtschaft stark westdeutsch geprägt war und beispielsweise auch die Gewerbesteuern dort vereinnahmt wurden. Jetzt den Atommüll weitgehend in Ostdeutschland end zu lagern, wäre ungerecht.”

Söder ist unwillig

Zuvor hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sich skeptisch hinsichtlich einer möglichen Errichtung des Endlagers in Bayern gezeigt und den Verzicht auf den Standort Gorleben in Niedersachsen kritisiert.

Nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) haben 90 Gebiete günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüllendlager. Berücksichtige man die Überlagerung einiger Gebiete, ist demnach ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

Zwei AKW im Osten

In Ostdeutschland sollten ursprünglich etwa 20 Atomkraftwerke errichtet werden; am Ende waren es nur zwei: Rheinsberg in Brandenburg und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt gab es in Deutschland knapp 20 kommerziell genutzte Atomkraftwerke. Aktuell sind in Deutschland noch sechs Atomkraftwerke am Netz.

2031 soll der Standort für das Endlager gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

RND

Von Markus Decker/RND

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