Mittwoch , 28. Oktober 2020
Der im Mordprozess um Walter Lübcke Mitangeklagte Markus H. kommt frei. Quelle: imago images/Jan Huebner

Fall Lübcke: Mitverdächtiger Markus H. kommt frei

Frankfurt/Main. Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird der wegen Beihilfe angeklagte Markus H. aus der Untersuchungshaft entlassen. Es gebe keinen hinreichenden, dringenden Tatverdacht mehr gegen ihn, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Donnerstag und folgte damit einem Antrag der beiden Verteidiger von Markus H.

Die Bundesanwaltschaft hatte H. in der Anklage vorgeworfen, den mutmaßlichen Haupttäter Stephan E. ideologisch beeinflusst und unter anderem so Beihilfe zu dem Mord geleistet zu haben. Sie geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund für die Tat aus.

Der Deutsche Stephan E. hatte in unterschiedlichen Versionen gestanden, Lübcke erschossen zu haben. Laut seiner Aussage vor Gericht war H. bei der Tat im Juni vergangenen Jahres in Nordhessen anwesend. In einem vorherigen Geständnis während der Ermittlungen hatte er jedoch auch angegeben, der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe.

E. und H. waren frühere Arbeitskollegen, die sich nach Angaben von E. angefreundet hatten. H. war demnach derjenige, der E. politisch beeinflusst habe, nachdem dieser sich vor Jahren aus der rechten Szene gelöst habe. Er habe ihn auch zu gemeinsamen Schießübungen im Wald mitgenommen, hatte E. in seinen Geständnissen angegeben.

Bei der Durchsuchung der Wohnung von H. hatten die Ermittler nach dem Mord an Lübcke zahlreiche NS-Devotionalien gefunden. Auf der gelöschten Festplatte seines Computers entdeckten sie zahlreiche Texte mit rechtsextremen und antisemitischen Inhalten.

Sachverständiger sagt aus

Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sollte an diesem Donnerstag auch ein Sachverständiger vernommen werden. Er ist DNA-Experte. Es ist der letzte Verhandlungstag vor den hessischen Herbstferien – danach wird der Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am 20. Oktober fortgesetzt.

RND/dpa