Dienstag , 27. Oktober 2020
Ex-AfD-Pressesprecher Christian Lüth (rechts) räumt in einer persönlichen Erklärung ein, dass er menschenverachtende Aussagen in einer Berliner Bar getätigt hat. Sein Vertrauter Alexander Gauland (links) soll von dem Treffen bis zum Montag nichts gewusst haben. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Skandal um AfD-Sprecher: Lüth räumt menschenverachtende Sätze ein

Berlin. Der am Montag entlassene frühere AfD-Fraktionssprecher Christian Lüth hat die Vorwürfe gegen ihn erstmals persönlich eingeräumt. In einer persönlichen Erklärung, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, bestätigt er, die unkenntlich gemachte Person in der Pro7-Dokumentation “Rechts. Deutsch. Radikal” zu sein.

Lüth hatte sich am 23. Februar mit der Youtuberin Lisa Licentia in einer Bar getroffen. Das Treffen wurde mit versteckter Kamera mitgefilmt. “Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD”, sagt Lüth in dem vermeintlich vertraulichen Gespräch. “Das ist natürlich scheiße, auch für unsere Kinder. Aber wahrscheinlich erhält uns das.” Licentia fragt: “Vor allem klingt das so, als ob es in deinem Interesse wäre, dass noch mehr Migranten kommen.” Der damalige AfD-Fraktionssprecher antwortet: “Ja, weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen – oder wie du willst. Mir egal!”

Lüth schreibt nun selbstkritisch: “In diesem Gespräch fielen abscheuliche und nicht entschuldbare Äußerungen, die von einer aufgeheizten, ironischen und übersteigerten Wortwahl geprägt waren.” Diese Äußerungen entsprächen jedoch “nicht meiner Gesinnung und schon gar nicht der der AfD”.

Lüth verweist auf seine langen Auslandserfahrungen, er sei in Lateinamerika aufgewachsen, mit vielen verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen” und sei weder rechtsextrem noch migrantenfeindlich.

Entgegen anderslautenden Informationen schreibt Lüth, dass bis zum Tag der Ausstrahlung auf Pro7 “weder der Fraktions- noch der Parteivorstand” der AfD von dem Treffen und seinen Entgleisungen gewusst habe.

Von Jan Sternberg/RND