Stellten sich jeweils im TV den Fragen der Bürger: US-Präsident Donald Trump (links) und Präsidentschaftskandidat Joe Biden von den Demokraten. Quelle: dpa/RND/Montage

TV-Fragestunden vor US-Wahl: Trump gerät ins Schwitzen, Biden räumt Fehler ein

Washington. US-Präsident Donald Trump ist bei der TV-Fragestunde für Bürger Fragen nach einem Coronavirus-Test am Tag der ersten Debatte ausgewichen. „Möglicherweise habe ich, möglicherweise habe ich nicht“, sagte Trump am Donnerstagabend in Miami auf die Frage, ob er sich am 29. September habe testen lassen, bevor er mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden in Cleveland zusammentraf. Die Regeln für die Debatte sehen vor, dass beide Kandidaten ein negatives Testergebnis haben, dieses müssen sie aber nicht nachweisen.

Trump wurde zwei Tage später positiv aus das Virus getestet. Aus diesem Grund wurde die zweite Debatte, die für Donnerstagabend geplant war, gestrichen. Stattdessen beantworteten beide Kandidaten am Donnerstagabend bei jeweils eigenen Auftritten die Fragen von Wählern. Biden trat bei ABC News in Philadelphia auf, Trump beantwortete im Sender NBC News in Miami Fragen von Wählern.

Bei ABC News beantwortete Biden die Frage, ob eine Impfung gegen das Coronavirus verpflichtend sein sollte, nicht eindeutig. Man sollte darüber sprechen, sagte Biden, bemerkte aber gleichzeitig, dass eine Verpflichtung schwierig durchzusetzen sei. Es hänge auch von der Verlässlichkeit ab. Wenn ein künftiger Impfstoff „eine sehr positive Wirkung“ habe, würde er selbst sich wahrscheinlich impfen lassen.

Trump schwitzte teilweise und schien sichtbar wütend über aggressive Fragen zu sein, insbesondere zu Beginn der Fragestunde. Fragen zum Zeitpunkt seines Coronavirus-Tests, seinen Plänen für die Krankenversicherung in den USA und seinen Steuerunterlagen wich er aus. Die Wähler stellten ihm auch Fragen zu Rassismus, Verschwörungserzählungen und seinem Unwillen, Masken zu tragen. Biden musste Fragen zu Rassismus und Steuersenkungen beantworten.

Die Fragestunden der beiden Kandidaten fanden zeitgleich anstelle einer zweiten TV-Debatte statt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Momente:

Eine hartnäckige Moderatorin

Moderatorin Savannah Guthrie nahm Trump in die Zange, der reagierte darauf mitunter gereizt. „Lassen Sie uns die ganze Show vergeuden“, sagte Trump, als ihn Guthrie auf die Verschwörungstheoretiker von QAnon anspricht, die auch unter seinen Republikanern Unterstützer haben.

„Es ist diese Theorie, dass die Demokraten ein satanischer Pädophilenring sind und dass Sie der Retter davor sind“, sagte Guthrie. Ob Trump sich davon „ein für alle Mal“ distanziere? „Ich weiß nichts über QAnon“, antwortete Trump genervt. „Lassen Sie mich Ihnen nur sagen, was ich darüber höre, ist, dass sie sehr entschieden gegen Pädophilie sind, und dem stimme ich zu.“

Bürgerfragen lassen Biden Fehler einräumen

Im weitgehend leeren Auditorium in Philadelphia beantwortete Biden in aller Ruhe die Fragen der Wähler - es ging um den Kampf gegen die Corona-Pandemie, die umstrittene Polizeiarbeit, die Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft. Die Wähler konfrontierten ihn auch mit Themen, die ungemütlich für Biden sind: Zum Beispiel mit einem Gesetz zur Kriminalitätsbekämpfung aus den Neunzigerjahren, das Biden unterstützte, und was viele für die Diskriminierung von Minderheiten verantwortlich machen.

Biden räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, das Gesetz zu unterstützen. Zudem sagte er auf Drängen des Moderators zu, vor der Wahl klarzustellen, was er von einer Ausweitung der Richterposten am Supreme Court hält. Am Ende vieler seiner teils langen Antworten sagte Biden in Richtung der Wähler, er hoffe, die Frage beantwortet zu haben.

Trump äußert sich zu Schulden

Anders als bei Wahlkampfauftritten vor Anhängern musste Präsident Trump sich kritische Fragen gefallen lassen - etwa zu seinen finanziellen Verhältnissen. Seine Schulden beliefen sich nur auf „einen winzigen Prozentsatz meines Nettovermögens“, sagte Trump.

Die von der „New York Times“ kürzlich berichtete persönliche Schuldenhöhe von 421 Millionen Dollar schien er in etwa zu bestätigen. Er wollte sich zunächst zwar auf Nachfrage der Moderatorin nicht festlegen, sprach dann aber selber von „400 Millionen Dollar“. Wie schon seit Jahren versprach er, er werde seine Steuererklärungen veröffentlichen, sobald eine Buchprüfung der Steuerbehörde IRS abgeschlossen sei.

Trump widerspricht sich erneut bei Corona

Zur Pandemie äußerte sich der erst kürzlich an Covid-19 erkrankte Präsident ein weiteres Mal widersprüchlich. „Ich sage, tragt die Masken. Ich habe kein Problem damit“, betonte er. Trump wiederholte aber auch seine falsche Aussage, dass sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC 85 Prozent der Menschen, die eine Maske tragen, mit dem Virus infizierten. Richtig ist, dass bei einer CDC-Untersuchung 85 Prozent einer Gruppe von Infizierten angaben, sie hätten in den 14 Tagen zuvor oft oder immer eine Maske getragen.

Biden: Trump hat wichtige Chance vertan

„Er hat enorme Gelegenheiten verpasst und sagte immer wieder Dinge, die nicht wahr waren“, warf Biden dem Republikaner mit Blick auf dessen Umgang mit der Corona-Pandemie vor. „Wenn ein Präsident keine Maske trägt oder sich über Leute wie mich (...) lustig macht, dann sagen die Leute: „Es wird schon nicht so wichtig sein““, sagte Biden. „Ich denke, es ist wichtig, was wir sagen.“

Mit Blick auf die für kommenden Donnerstag geplante Debatte zwischen den beiden Kandidaten machte Biden klar, dass er von Trump erwarte, sich wieder testen zu lassen. Der Anstand gebiete das einfach, sagte Biden. Es gehe ihm dabei nicht um ihn selbst, sondern um andere Menschen, die man gefährden könnte. „Ich denke, er (Trump) wird das machen“, sagte er.

Corona-Test? Trump: „Erinnere mich nicht daran“

Der Präsident wollte sich wieder nicht darauf festlegen, wann er vor seiner Covid-Erkrankung zuletzt negativ getestet worden war. „Ich erinnere mich gar nicht daran“, sagte er. Diese Frage ist wichtig, um zu klären, ob Trump womöglich noch bei Veranstaltungen war, obwohl er von einer Infektion wusste. Dass auch das Weiße Haus und Trumps Ärzte Angaben dazu verweigern, räumt diesen Verdacht nicht aus der Welt.

Bei den Rechten gerät Trump aus der Ruhe

Gereizt reagierte Trump auch, als er nach seiner Haltung zu Rechtsradikalen gefragt wird - er ist unter Druck geraten, weil er sich von ihnen nicht eindeutig distanzieren wollte. „Jetzt geht das wieder los“, sagte Trump sichtlich genervt - und behauptete dann, dass er „seit Jahren“ Rechtsradikalismus verurteile. Zugleich betonte er aber, er verurteile auch die Antifa und „diese Menschen auf der Linken, die unsere Städte niederbrennen“. Trump kritisierte außerdem, dass Biden bei einer NBC-Fragestunde in der vergangenen Woche nicht danach gefragt worden sei, ob er die Antifa verurteile.

Joe Biden - ein „mieser Kandidat“?

Der ehemalige US-Vizepräsident machte deutlich: Wenn er zum Präsidenten gewählt werde, werde er sich niemals rassistisch oder spalterisch äußern. Moderator George Stephanopoulos fragte Biden, was ihm eine Niederlage darüber sagen würde, was Amerika heute sei. „Nun, es könnte bedeuten, dass ich ein mieser Kandidat war und ich keinen guten Job gemacht habe“, sagte Biden. Er hoffe nicht, dass es bedeute, dass die Menschen in ethnischen und religiösen Fragen so im Konflikt miteinander stünden, wie Trump es wolle.

Trump: „Ich werde reingelegt“

Trump warf NBC vor, Biden zuletzt nur Fragen gestellt zu haben, die sogar Kinder beantworten könnten. Kurz vor der Fragestunde hatte er den Sender schon bei einem Wahlkampfauftritt in Greenville in North Carolina angegriffen: „Wissen Sie, ich werde heute Abend reingelegt“, sagte er. Er habe den Auftritt nur zugesagt, weil er eine Stunde Sendezeit kostenfrei bekomme. Trump sagte zudem, er hätte den zeitgleichen Auftritt Bidens beim Sender ABC gerne angeschaut, „weil ich sehen wollte, ob er es durch die Sendung schafft“. Trump (74) unterstellt seinem 77-jährigen Herausforderer – den er als „schläfrigen Joe“ verunglimpft - immer wieder mangelnde körperliche und geistige Fitness.

Biden überzieht

Dabei war Bidens Auftritt am Donnerstagabend sogar länger als der von Trump. Während der Präsident sich eine Stunde lang Fragen stellte, waren es bei Biden 90 Minuten - in beiden Fällen gab es mehrere kurze Werbepausen. Ein Wähler hatte vor Biden nicht verbergen können, dass ihn eine Antwort Bidens nicht gänzlich zufrieden stellte. Biden bot an, nach dem Ende der Sendung weiter zu reden - was er auch tat.

RND/AP/dpa/no