Montag , 26. Oktober 2020
Donald Trump, Präsident der USA, bedankt sich nach seiner Rede bei einer Wahlkampfkundgebung auf dem Flughafen von Muskegon County im US-Bundesstaat Michigan bei seinen Anhängern. Quelle: Carlos Osorio/AP/dpa

„Sperrt sie alle ein“: Trump macht Stimmung gegen bedrohte Gouverneurin

Washington. US-Präsident Donald Trump hat bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Michigan Stimmung gegen die dortige Gouverneurin Gretchen Whitmer gemacht. „Ihr müsst eure Gouverneurin dazu bringen, euren Staat zu öffnen“, rief Trump am Samstag (Ortszeit) seinen Anhängern in Muskegon zu und spielte damit auf Corona-Eindämmungsmaßnahmen an. Daraufhin skandierten seine Anhänger: „Sperrt sie ein!“ Trump sagte: „Sperrt sie alle ein.“

Vergangene Woche hatten Ermittlungen der Bundespolizei FBI und des Justizministeriums in Michigan zur Festnahme von mehr als einem Dutzend Verdächtigen geführt, die unter anderem die Entführung von Gouverneurin Whitmer und den Sturm auf das Parlament in Lansing geplant haben sollen. „Ich glaube, sie sagten, sie wurde bedroht“, sagte Trump, als die Rufe erneut aufbrandeten. „Und sie hat mir die Schuld gegeben!“

Whitmer hatte Trump vorgeworfen, in der Corona-Pandemie Wut angefacht zu haben. Trump hatte im Frühjahr Proteste gegen Whitmers Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus angeheizt und etwa auf Twitter „Befreit Michigan!“ geschrieben. Am Samstag meldete sich Whitmer auf Trumps Äußerungen zu Wort. „Das ist genau die Rhetorik, die das Leben von mir, meiner Familie und anderer Regierungsbeamter in Gefahr gebracht hat. Es muss aufhören“, schrieb sie auf Twitter.

Weniger als drei Wochen vor der Wahl hält Trump ungeachtet der anhaltenden Pandemie in besonders umkämpften Bundesstaaten Auftritte ab. Michigan erlebt derzeit einen dramatischen Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen. Am Freitag waren nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 2000 nachgewiesen – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

Mit der Parole „Sperrt sie ein!“ hatten Trump-Unterstützer im Wahlkampf vor vier Jahren dessen Herausforderin Hillary Clinton bedacht.

Trump wütet gegen Kritiker aus den eigenen Reihen

Während Trump in Michigan die Demokratin Whitmer attackierte, reagierte er auf Twitter mit scharfen Worten auf Kritik aus den eigenen Reihen. Am Samstag griff er Nebraskas republikanischen Senator Ben Sasse via Twitter an, der im Gespräch mit Bürgern ungewöhnlich hart mit Stil und Politik des Präsidenten ins Gericht gegangen war. Sasse sei eine “Belastung für die republikanische Partei und eine Schande” für seinen Staat, schrieb Trump am Samstag.

Der Senator hatte am Mittwoch in einer telefonischen Fragestunde mit Wählern gesagt, dass der Präsident mit „weißen Rassisten flirtet, christliche Evangelikale insgeheim verspottet und die Hintern von Diktatoren küsst“. Damit reagierte Sasse auf die Frage, warum er bereit sei, einen Präsidenten aus der eigenen Partei öffentlich zu rügen. Auch an Trumps Krisenmanagement in der Corona-Pandemie übte Sasse scharfe Kritik. Trumps Familie gehe mit der Präsidentschaft um „wie mit einer Geschäftsmöglichkeit“, sagte er zudem.

Sasse bewirbt sich aktuell um eine zweite Amtszeit als Senator von Nebraska, das als Hochburg der Republikaner gilt. Zudem wird er als möglicher Präsidentschaftskandidat für 2024 gehandelt.

Trumps Twitter-Tirade gegen Sasse hielt den ganzen Tag über an. Der sei der uneffektivste Senator unter den 53 Republikanern in der Parlamentskammer und „eine Person, die ganz sicher nicht das Zeug hat, großartig zu sein“, schrieb der Präsident etwa. Die Partei sollte sich vielleicht „einen neuen und brauchbareren Kandidaten“ suchen, deutete er zudem an.

Sasses Sprecher James Wegmann verteidigte die Kritik des Senators. Dieser habe den Menschen in Nebraska das Gleiche gesagt, das er wiederholt dem Präsidenten im Oval Office gesagt habe, hieß es in einer Erklärung. Sasse fokussiere sich darauf, die republikanische Mehrheit im Senat zu verteidigen. Er werde keine einzige Minute mit Tweets verschwenden.

RND/dpa/AP