Dienstag , 27. Oktober 2020
„Wir haben mit dem Format neue Maßstäbe gesetzt“: JU-Chef Tilman Kuban. Quelle: Xander Heinl/photothek.net Marienstr. 31 10117 Berlin www.photothek.net +49-(0)30-28097440

JU-Chef Kuban über Laschet, Merz und Röttgen: „Da ist noch Luft nach oben“

Herr Kuban, die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben am Samstagabend um die Stimme der Jungen Union geworben. Wer hat Sie überzeugt: Laschet, Merz oder Röttgen?

Das Rennen ist offen. Wir haben drei starke Kandidaten erlebt, die ihre Schwerpunkte deutlich gemacht haben. Armin Laschet hat mit dem Fokus auf die Wasserstofftechnologie gezeigt, wie er die Energiewende gestalten will. Friedrich Merz hat klare Aussagen zur Rente und Generationengerechtigkeit getroffen. Norbert Röttgen will mit Blick auf den Mobilfunkausbau einen europäischen Champion in der 5G-Technologie schaffen. Und alle haben sich zur Einrichtung eines Digitalministeriums bekannt – eine Kernforderung der Jungen Union. Eines ist deutlich geworden: Wir haben die klügsten Köpfe in den Reihen der CDU.

Sie hatten „konkrete Antworten“ gefordert. Haben Sie die bekommen?

Beim Thema digitale Bildung hätte ich mir mehr gewünscht. Wir brauchen endlich eine Schulcloud für Deutschland, die funktioniert, und wir müssen dafür sorgen, dass die Mittel aus dem Digitalpakt endlich fließen. Dafür muss der kommunale Anteil bei der Mitfinanzierung entfallen. Da ist bei den Kandidaten noch Luft nach oben.

Welche Rückmeldungen gibt es aus der JU-Mitgliedschaft?

Das digitale Format kam sensationell gut an. Am Samstagabend waren mehrere tausend Leute live auf unseren Youtube- und Facebook-Kanälen dabei. Zudem haben Phoenix und „Tagesschau“ live gestreamt. Das sind Reichweiten der digitalpolitischen Kommunikation, auf die keine andere Jugendorganisation kommt. Wir haben mit dem Format neue Maßstäbe gesetzt. Zum Inhalt aber haben mir einige Mitglieder gesagt, dass sie sich bei den Themen Energiewende und Renteneintrittsalter deutlichere Aussagen gewünscht hätten.

Nicht wenige in der JU würden Jens Spahn oder auch Markus Söder als Kanzlerkandidaten bevorzugen. Was raten Sie den drei Kandidaten, um Zweifler für sich zu gewinnen?

Die JU wünscht sich klare Positionen und die Bereitschaft, diese auch bei Gegenwind durchzuhalten. Das trifft auf die digitale Bildung zu, aber auch auf den Bereich der sozialen Sicherungssysteme. Ohne ein klares Konzept zur Rente, Pflege und Krankenversicherung werden wir nicht noch mal in den Wahlkampf ziehen können. Viele Fragen sind hier in den letzten Jahren unbeantwortet geblieben. Da muss der künftige Parteivorsitzende liefern.

Die JU ist männlich dominiert – von den vier Mitgliedern, die beim „Pitch“ vor Ort sein durften, waren drei weiblich. Zufall oder Absicht Ihrerseits?

Erst einmal haben wir viele tolle Frauen in der JU, aber ehrlicherweise waren eigentlich zwei männliche und zwei weibliche Mitglieder ausgelost. Der eine Teilnehmer ist kurzfristig ausgefallen, deswegen sprang eine weitere junge Frau ein. Es hatten sich rund 200 Leute darum beworben, vor Ort dabei sein zu können.

Von Marina Kormbaki/RND