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Julian Castro bewarb sich einst selbst als Kandidat für die Demokraten, nun macht er Wahlkampf für Joe Biden.

Julian Castro zur US-Wahl: „Niemand darf auf der Zuschauerbank sitzen bleiben“

Washington. Herr Castro, traditionell ist die Wahlbeteiligung von Hispanics eher niedrig. Wird die Aussicht auf eine zweite Amtszeit von Donald Trump das ändern?

Die ersten Anzeichen deuten darauf hin. In Arizona genauso wie in meinem Heimatstaat Texas und anderswo gehen viele Latinos schon jetzt wählen. Es sieht so aus, als falle die Beteiligung bei dieser Präsidentschaftswahl deutlich höher aus als 2016.

Und das zahlt bei den Demokraten ein?

Da bin ich optimistisch. Aber wir dürfen uns auf nichts verlassen. Deswegen bin ich unterwegs. Die Menschen müssen verstehen, wie wichtig ihre Stimme ist. Sie müssen ihre Freunde, ihre Kollegen und Nachbarn auffordern, wählen zu gehen. Niemand darf auf der Zuschauerbank sitzen bleiben. Die Latinos stellen in den USA eine wachsende Bevölkerungsgruppe dar. Das Schicksal dieses Landes ist mit ihrem so eng verwoben wie nie zuvor. Wir müssen sicherstellen, dass sie ihre Stimme zu Gehör bringen.

Was sind die wichtigsten Themen für diese Wählergruppe?

Im Großen und Ganzen die Gleichen wie für alle. Sie wollen die Pandemie überwinden. Sie brauchen eine Gesundheitsversorgung. Sie wollen einen Job. Die Latinos sind eine hart arbeitende Gemeinschaft. Kleinunternehmer wollen zurück ins Geschäft und anpacken. Viele Eltern stellen fest, dass ihre Kinder auf der falschen Seite der digitalen Kluft stehen, die die Pandemie in der Bildung aufgerissen hat. Wir müssen investieren, damit diese Menschen ihre Chance auf Krankenversicherung, Beschäftigung, Bildung und Wohnung bekommen. Und genau das will Joe Biden. Er will Präsident aller, nicht nur der wenigen sein. Er will, dass jeder eine faire Chance hat, seinen Traum in diesem Land zu verwirklichen.

Kann Arizona bei der Präsidentschaftswahl zum Zünglein an der Waage werden?

Donald Trump hat 2016 überraschend die Bundesstaaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania gewonnen. Ich glaube, Biden wird nicht nur diese drei Staaten zurückholen. Er wird auch Florida, Texas und Arizona erobern.

Wie groß ist die Gefahr, dass Trump das Ergebnis der Wahl einfach nicht anerkennt ?

Eines der Dinge, die dieses Land besonders machen, ist der demokratische, geordnete und friedliche Ablauf der Machtübergabe. Das ist größer als eine einzelne Person. Wenn die Wähler am 3. November gesprochen haben, muss ihre Entscheidung respektiert werden und das Gesetz gelten. Die Wahl ist eine fundamentale Entscheidung der Menschen in diesem Land, nicht die eines Einzelnen. Ich glaube, wenn Donald Trump verliert, wird er gehen.

Von Karl Doemens/RND