Im zweiten und letzten TV-Duell vor der US-Wahl verhielt Präsident Donald Trump sich deutlich ruhiger als in der ersten Auflage. Quelle: Morry Gash/AP Pool/dpa

Ruhigerer Trump, engagierte Moderatorin: Zweites TV-Duell lief gesitteter ab

Nashville. Das zweite und letzte TV-Duell ist auch dank neuer Regeln deutlich zivilisierter verlaufen als die erste Fernsehdebatte. Moderatorin Kristen Welker hatte US-Präsident Donald Trump und seinen Herausforderer Joe Biden zu Beginn der Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) gebeten, sich nicht gegenseitig zu unterbrechen - das geschah dann im Verlauf der Debatte auch nur sehr selten. Das erste TV-Duell Ende September war vor allem wegen Trumps Unterbrechungen ins Chaos abgeglitten.

Dass es diesmal nicht so weit kam, lag auch an Moderatorin Welker. Trump lobte die NBC-Journalistin während der Debatte sogar. „Bisher respektiere ich sehr, wie Sie das hier handhaben, muss ich sagen“, sagte Trump. Erst am Wochenende hatte Trump Welker scharf angegriffen. Sie sei „immer schrecklich und unfair“ gewesen, „so wie die meisten Fake-News-Reporter“, hatte Trump über Welker getwittert.

Die wichtigsten Themen des TV-Duells

Coronavirus: US-Präsident Trump übernimmt nach eigenen Angaben Verantwortung in der Corona-Krise, macht für die Pandemie aber weiterhin China verantwortlich. „Ich übernehme volle Verantwortung“, sagte der Republikaner am Donnerstagabend (Ortszeit) im zweiten und letzten TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Biden (77) hatte Trump zuvor vorgeworfen, keine Verantworung zu übernehmen - entsprechend hatte sich der Präsident selber in der Pandemie geäußert. Trump (74) fügte am Donnerstagabend mit Blick auf das Coronavirus hinzu: „Es ist nicht meine Schuld, dass es hierhier gekommen ist. Es ist Chinas Schuld.“

Krankenversicherung: In einem heftigen Wortgefecht stritten die beiden Kandidaten über die Zukunft der Gesundheitsversorgung gestritten. Trump warf Biden vor, eine „sozialistische Medizin“ anzustreben. Er hingegen wolle das von seinem Vorgänger Barack Obama eingeführte und als „Obamacare“ bezeichnete System der Krankenversicherung und Pflege abschaffen und „eine wunderschöne neue Gesundheitsversorgung“ einführen, die auch die Zustimmung im Kongress finden werde. „Jeder sollte das Recht auf eine bezahlbare Gesundheitsversorgung haben“, sagte Biden. Dabei solle es die Wahl geben zwischen einer Privatversicherung und der Option auf eine öffentliche Versorgung. Das von ihm geplante System einer „Bidencare“ solle auch erschwingliche Presse für Arzneimittel ermöglich.

Rassismus: Joe Biden kritisierte den weiterhin anhaltenden strukturellen Rassismus in den USA. In den Vereinigten Staaten herrsche immer noch nicht völlige Gleichheit, sagte Biden. „Es ist eine Tatsache, dass es in den USA strukturellen Rassismus gibt“, sagte er. Biden warf Trump vor, Rassismus noch weiter Vorschub zu leisten. „Er gießt in jedes einzelne rassistische Feuer Öl“, sagte Biden. Trump wiederum behauptete, er habe so viel für Afroamerikaner und Schwarze getan wie kein anderer Präsident vor ihm, höchstens mit der Ausnahme von Abraham Lincoln. „Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum“, sagte Trump. Der Präsident weist die Idee, dass es in den USA strukturellen Rassismus gibt, zurück. Er spricht zum Beispiel bei Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze von bedauernswerten Einzelfällen.

Klimawandel: Biden will den Klimawandel für die Schaffung neuer Jobs in den USA nutzen. „Wir können wachsen und sauberer sein, wenn wir den Weg gehen, den ich vorschlage“, so der Trump-Herausforderer. Biden versprach dabei 18,6 Millionen neue Jobs, ein Programm, um Häuser energieeffizienter zu machen und 50 000 Ladestation für Elektroautos an amerikanischen Highways. Trump lobte dagegen seinen eigene Umwelt-Bilanz und warf Biden vor, mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen der Ökonomie zu schaden: „Wenn Sie die Wirtschaft kaputt machen wollen, müssen Sie die Ölindustrie abschaffen.“ Er werde nicht Abermillionen von Jobs und Tausende von Unternehmen für das Pariser Klimaabkommen opfern. Die Trump-Regierung hatte sich aus dem internationalen Pakt zurückgezogen.

Der Präsident war seinem Herausforderer bei der ersten Debatte immer wieder ins Wort gefallen, teilweise hatten die beiden Männer minutenlang durcheinander geredet. Umfragen hatten danach gezeigt, dass die Zuschauer das größtenteils negativ bewerteten. Als Konsequenz galten nun neue Regeln, dass beispielsweise nur das Mikrofon des jeweils Redenden bei den Eingangsstatements eingeschaltet ist. Das Ergebnis war zunächst ein wesentlich geordneter wirkendes Streitgespräch.

RND/dpa/seb