Wenn nur die Lehrerin im Klassenzimmer ist: Fernunterricht in der Corona-Krise. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Digitalunterricht und Corona: Lehrerpräsident fordert Kompromisse beim Datenschutz

Berlin. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat mit Blick auf das digitale Unterrichten in der Corona-Krise gefordert, alle müssten bereit sein, auch Kompromisse beim Datenschutz zu machen. „Datenschutz ist wichtig – und bei allem, was wir an den Schulen in Sachen Digitalisierung langfristig anschieben, muss er eine zentrale Rolle spielen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich meine aber auch: Wir dürfen in Zeiten der Pandemie beim Datenschutz nicht immer sofort eine 120 Prozent sichere Lösung verlangen – und sagen: Sonst gibt es keinen digitalen Unterricht“, ergänzte er.

Die Frage nach der Lernplattform

„Alle – Lehrer, Schüler, Eltern, aber auch Aufsichtsbehörden und Datenschützer – müssen sich in Corona-Zeiten mit einem vertretbaren Kompromiss etwa bei der Lizenzierung kommerzieller Produkte zufriedengeben“, sagte Meidinger. „Zumal es ja derzeit in keinem Bundesland eine wirklich gut funktionierende, mit allen notwendigen Tools ausgestattete staatliche Lernplattform für Schulen gibt.“

Mit Blick auf die Digitalisierung in den Schulen bilanzierte Meidinger: „Insgesamt sind die Schulen kaum besser auf das digitale Unterrichten vorbereitet als im Frühjahr.“ Das Geld aus dem über viele Jahre verschleppten Digitalpakt komme „nur im Schneckentempo“ bei den Schulen an, sagte er.

Er sei fest überzeugt, „dass der ganz große Teil der Lehrkräfte bereit ist, sich entsprechend fortzubilden und zu engagieren“, so der Lehrerpräsident. „Aber wenn stabiles Internet oder andere grundlegende Dinge in den Schulen fehlen, demotiviert das viele noch so aufgeschlossene und wohlmeinende Kollegen.“

Von Tobias Peter/RND