Joe Biden, der demokratische Präsidentschaftskandidat und ehemalige Vizepräsident, spricht im Queen-Theater über die Coronavirus-Pandemie. Quelle: Andrew Harnik/AP/dpa

Biden wirft Trump Kapitulation im Kampf gegen Corona-Pandemie vor

Washington. US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat Amtsinhaber Donald Trump vorgeworfen, vor dem Coronavirus kapituliert zu haben. Auslöser waren Äußerungen von Trumps Stabschef Mark Meadows, aus denen hervorging, dass das Weiße Haus aktuell eher auf eine Behandlung von Erkrankten als auf Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus vertraut. Die Zahl der Neuinfektionen in den USA ist mit gut 83.700 pro Tag aktuell auf Rekordniveau.

„Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren“, sagte Meadows am Sonntag in einem Live-Interview des Nachrichtensenders CNN. Das sei so, weil man es mit einem hochansteckenden Virus wie der Grippe zu tun habe, argumentierte Meadows.

Dabei blieb in dem abschnittsweise hitzigen Austausch mit CNN-Moderator Jake Tapper offen, ob Meadows damit sagen wollte, dass die Corona-Ausbreitung schwer unter Kontrolle zu bekommen sei - oder ob das Weiße Haus es gar nicht erst versuchen wolle. „Was wir unter Kontrolle haben werden, ist die Tatsache, dass wir Impfstoffe, Medikamente und andere Maßnahmen zur Linderung bekommen“, sagte Trumps Stabschef.

Biden bezeichnete Meadows' Äußerungen als Eingeständnis, dass Trumps Regierung „selbst den Versuch aufgegeben hat, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen“.

Trump behauptete unterdessen bei einem Wahlkampfauftritt am Sonntag erneut, die USA würden in der Corona-Krise bald über den Berg sein. „Wir biegen um die Kurve, wir haben die Impfstoffe, wir haben alles. Wir biegen um die Kurve. Selbst ohne die Impfstoffe biegen wir um die Kurve. Es wird vorbeigehen“, sagte der Präsident im Bundesstaat New Hampshire. Die Zahl der Corona-Toten überschritt am Sonntag unterdessen die Marke von 225.000.

Die Impfstoffe sind unterdessen noch in der Testphase. Die Experten der US-Regierung gehen davon aus, dass erst im Frühjahr ausreichend Impfdosen für alle Amerikaner zur Verfügung stehen werden.

Biden: Russland größte Bedrohung für Amerika

Auch in einem anderen zentralen Punkt gehen Bidens und Trumps Ansichten auseinander. Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat sieht den wichtigsten Gegenspieler der USA in der Weltpolitik in Russland - und nicht in China wie Trump.

“Ich denke, die größte Bedrohung für Amerika ist aktuell Russland, was Angriffe auf unsere Sicherheit und die Spaltung unserer Allianzen angeht”, sagte Biden in einem am Sonntag (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des TV-Senders CBS. “Zweitens denke ich, dass China unser größter Wettbewerber ist.”

Trumps Antwort auf die CBS-Frage nach dem zentralen Gegenspieler des Landes war unterdessen: China. “Sie sind ein Gegner, sie sind ein Wettbewerber, sie sind in vieler Hinsicht ein Feind”, sagte der Präsident. Er macht Peking unter anderem dafür verantwortlich, dass das Coronavirus die Grenzen des Landes verlassen konnte - und nennt es gern das “China-Virus”. In seiner Amtszeit eskalierte Trump auch einen Handelskonflikt mit China.

Trump vermeidet Kritik an Putin

Über das Verhältnis des aktuellen US-Präsidenten zu Russland gab es in den vergangenen Jahren unterdessen viele Spekulationen. So gingen die US-Geheimdienste davon aus, dass Russland 2016 eine Kampagne betrieb, die nicht nur die Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft vertiefen, sondern auch Trump ins Weiße Haus helfen sollte.

Trump selbst sagt immer wieder, niemand sei härter gegenüber Russland eingestellt als er. Tatsächlich verhängte seine Regierung auch diverse Sanktionen gegen Russland. Allerdings fiel auch immer wieder auf, dass Trump es vermeidet, öffentlich den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu kritisieren - zuletzt zum Beispiel als es um die Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny ging.

RND/dpa