So sieht es normalerweise auf einem CDU-Bundesparteitag aus – hier in Leipzig Ende 2019. Quelle: imago images/DeFodi

CDU-Parteitag: Warum die Verschiebung richtig ist

Berlin. Natürlich hat die ganze Sache etwas Absurdes: Da will eine Parteivorsitzende zurücktreten, sie will ihren Job unbedingt loswerden – und dann muss sie Monat um Monat weitermachen, weil die dafür vorgesehene Versammlung einfach nicht zustande kommt. So geht es gerade der CDU.

Dennoch ist es richtig, dass die CDU nun ein zweites Mal einen Parteitag absagt, auf dem ein neuer Chef bestimmt werden sollte. Die Infektionszahlen steigen, die Kanzlerin ruft dazu auf, zu Hause zu bleiben. Und ihre Partei versammelt sich mit 1000 Delegierten aus dem ganzen Land, um einen neuen Chef zu wählen?

Selbst wenn alle brav mit Masken erscheinen – es wäre das falsche Signal in einer Zeit, in der private Zusammenkünfte beschränkt werden und Hochzeiten und Beerdigungen allenfalls noch in kleinem Rahmen stattfinden können.

Optimal ist das für eine Partei nicht, natürlich ist es besser, wenn schwebende Führungsfragen geklärt werden. Es wäre bequemer, den Parteitag im Dezember stattfinden zu lassen. Vernünftiger aber wäre es nicht.

Denn die CDU kommt ja nicht in eine Notlage, wenn sie noch ein bisschen warten muss auf ihren neuen Chef. Die aktuelle Parteivorsitzende kann weiter kommissarisch im Amt bleiben.

Sogar ein Wahlprogramm für die Bundestagswahl kann entwickelt werden, die Kandidaten können sich dabei einbringen.

Ein Parteichef schreibt ein Programm ja nicht allein, und so viel anders als jetzt werden die Parteiführungsgremien nach einer Neuwahl nicht aussehen.

Aus der Verschiebung nun eine Verschwörungserzählung zu machen, wie es Friedrich Merz tut, ist der Sache nicht angemessen.

Denn was wäre gewonnen für einen neu gewählten Parteichef, wenn sich ein Parteitag im Nachhinein trotz aller Vorsicht als Superspreaderevent erweist?

Die Krone des neuen kleinen CDU-Königs würde gehörig anfangen zu wackeln.

Von Daniela Vates/RND