Das Aktionsbündnis Alarmstufe Rot hat zur Demonstration der Veranstaltungsbranche gegen die Existenznot aufgerufen. Quelle: imago images/Bernd Friedel

Verbraucherschützer fordern Ende von Zwangsgutscheinen bei Veranstaltungsabsagen

Berlin. Verbraucherschützer fordern, die Regelung zu Zwangsgutscheinen im Veranstaltungsbereich auslaufen zu lassen. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) verlangt stattdessen eine Rückkehr zu freiwilligen Gutscheinen nach Auslaufen der bisherigen Regelung am Jahresende. „Verbraucherinnen und Verbraucher sollen selbst und entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten entscheiden können, welche Anbieter sie unterstützen wollen“, sagt VZBV-Vorstand Klaus Müller dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Müller fügte hinzu: „Wir brauchen zudem eine Lösung für alle, die Gutscheine von inzwischen oder künftig insolventen Veranstaltern erworben haben. Diese Verbraucher dürfen nicht leer ausgehen. Schließlich haben sie darauf vertraut, die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt besuchen zu können oder – falls das nicht möglich ist – ab 2022 ihr Geld wiederzubekommen.“

In Berlin demonstrierten am Mittwoch erneut Tausende Menschen aus der Veranstaltungsbranche bei einer Großkundgebung für umfassendere staatliche Hilfen in der Corona-Krise. Die voraussichtlich ab Montag geltenden neuen Corona-Einschränkungen treffen die Branche besonders hart – alle Kultur- und Veranstaltungseinrichtungen müssen schließen.

Verbraucherschützer Müller forderte Entscheidungen mit Augenmaß. Dem RND sagte er: „Bei allem Verständnis für die nötigen Einschränkungen appellieren wir dringend an die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten: Die Einschränkungen müssen verständlich, fair und nachgewiesen wirksam sein. Die Corona-Krise können wir als Gesellschaft nur meistern, wenn die Menschen mitmachen, sie der Politik vertrauen und die drastischen Maßnahmen nachvollziehen können. Wenn die Entscheidungen von den Gerichten kassiert werden, schadet das dem Vertrauen in die Politik und gefährdet damit eine wirksame Krisenbewältigung.“

Wie bei den ersten coronabedingten Schließungen sind neben Kultur- und Veranstaltungsorten auch Bordelle und Prostitution betroffen. Die Branche reagiert mit Verständnis – und forderte, bei der Wiedereröffnung nach dem zweiten Lockdown wie andere Betriebe behandelt zu werden. „Wenn alle Freizeiteinrichtungen schließen müssen, dann gilt das natürlich auch für unsere Branche. Aber wir wollen dann auch wieder mit allen zusammen öffnen“, sagt Johanna Weber, politische Sprecherin des Bundesverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen, dem RND.

„Wir mussten uns nach dem ersten Lockdown in jedem Bundesland durch die Instanzen klagen, um das Geschäft wieder aufzunehmen. Nicht die Schließungen sind also das Problem, sondern die Öffnung danach.“

RND/am/jps