Michael Müller bei Anne Will. Quelle: imago images/Jürgen Heinrich

Kandidatur für Bundestag: Müller gewinnt Machtkampf gegen Chebli in Berlin

Berlin. Der Weg für eine Bundestagskandidatur von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist frei. Bei einer Mitgliederbefragung im SPD-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf setzte sich der 55-Jährige gegen die Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (42), durch. Das teilte der SPD-Kreisvorsitzende Christian Gaebler am Mittwoch nach Auszählung der Stimmen mit.

Rund 2500 Parteimitglieder konnten zwischen dem Regierenden Bürgermeister und seiner Staatssekretärin wählen. Die zwölftägige Befragung lief online oder per Briefwahl bis Dienstag.

Endgültig aufgestellt wird der SPD-Kandidat erst auf einer Wahlkreiskonferenz im November. Das Ergebnis des Mitgliedervotums gilt aber als Vorentscheidung. Zwar ist es formal nicht bindend, jedoch dürfte der Kandidat gekürt werden, der bei der Befragung vorn liegt. Sicher ist das Direktmandat für den SPD-Kandidaten nicht. Zuletzt gewann in dem Wahlkreis die CDU.

Müller braucht guten Listenplatz

Deshalb ist nicht unwichtig, auf welchen Platz der SPD-Landesliste Müller kommt. Als Regierendem Bürgermeister gebühre ihm Platz 1, meinen etliche in der SPD. Damit wäre sein Einzug in den Bundestag auch dann gesichert, wenn es mit dem Direktmandat nicht klappt. Es gibt aber auch andere Stimmen, die Müller nicht automatisch auf Platz 1 sehen. Ihre Landesliste will die SPD am 19. Dezember wählen.

Chebli sagte Müller nach seinem Sieg ihre Unterstützung zu. “Ich bin überzeugt, dass der faire demokratische Wettbewerb, den wir in den letzten Wochen geführt haben, der SPD nicht geschadet hat, im Gegenteil: Er stand unserer Partei gut zu Gesicht”, sagte Chebli.

“Jetzt kommt es darauf an, dass unsere Partei geschlossen und mit großem Einsatz in den Wahlkampf zieht. Ich werde Michael Müller voll unterstützen, damit unser Bezirk wieder von einem direkt gewählten Kandidaten der SPD im Bundestag vertreten wird.”

Müller hatte im August bekanntgegeben, dass er 2021 in den Bundestag wechseln und im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf kandidieren will. Dort hatte zuvor bereits Chebli Interesse signalisiert, die Müller 2016 als Staatssekretärin in seine Senatskanzlei holte. Deshalb ließ die SPD ihre rund 2500 Parteimitglieder in dem Kreisverband zwölf Tage lang abstimmen.

Erste Wahl für Müllers Bundestagskandidatur wäre sicherlich der Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg gewesen. In dem gleichnamigen Berliner Bezirk hat er seine familiären Wurzeln und trat dort wiederholt bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus an. Allerdings fuhr ihm Juso-Chef Kevin Kühnert in die Parade, als er öffentlich verkündete, dort anzutreten.

RND/dpa