Christine Lambrecht (SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Nach Attacke in Nizza: Lambrecht will mit europäischen Kollegen über Terrorismus beraten

Berlin. Nach der Gewalttat von Nizza will Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit europäischen Kollegen beraten. Auf der Ebene der Sicherheitsbehörden gab es bereits am Donnerstag Kontakte - auch um zu klären, ob womöglich mit Nachahmertaten zu rechnen ist. In sozialen Netzwerken hatten radikale Islamisten in den vergangenen Tagen die Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty glorifiziert, der im Unterricht Mohammed-Karikaturen thematisiert hatte.

Lambrecht kündigte ein Gespräch mit dem französischen Justizminister Éric Dupond-Moretti, weiteren europäischen Justizministern sowie der Brüsseler EU-Kommission für Freitag an. „Ich bin schockiert über die Nachricht von einem weiteren schrecklichen Verbrechen in Frankreich und verurteile diese Tat aufs Schärfste“, erklärte Lambrecht am Donnerstag in Berlin. „All unsere Solidarität und Anteilnahme gilt unseren französischen Freunden.“

Lambrecht: Akute Bedrohung mit aller Kraft bekämpfen

Lambrecht verwies auf Einschätzungen der französischen Behörden, wonach es sich um eine terroristische Tat handelt. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi gab an, der inzwischen festgenommene Angreifer habe „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen. Lambrecht erklärte, wenn sich die Hinweise auf islamistischen Terrorismus bestätigten, sei dies „auch ein Anschlag auf unsere Lebensweise und unsere zentralen Werte“. Diese akute Bedrohung müsse mit aller Kraft bekämpft werden. Darüber solle mit den anderen europäischen Ministern gesprochen werden.

Im Januar 2015 hatten Islamisten die Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ gestürmt und zwölf Menschen erschossen. Zum Prozessauftakt gegen mutmaßliche Helfer der Attentäter im September veröffentlichte das Magazin in einem Sonderheft erneut Karikaturen, die Mohammed, den Propheten des Islam, zeigen. Kurze Zeit später rief die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel Einzeltäter zu Anschlägen in Europa auf.

Bei der Messerattacke in Nizza wurden nach einer vorläufigen Bilanz drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt, wie Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris auf Anfrage bestätigten.

Nach Einschätzung von Innenexperten ist die Gefahr islamistisch-terroristischer Anschläge in Deutschland gleichbleibend hoch. Auch bei dem Messerangriff auf zwei Männer in Dresden am 4. Oktober wird ein islamistisches Motiv vermutet. In Untersuchungshaft sitzt ein junger Syrer. Einer der beiden Männer starb nach der Attacke.

RND/dpa