Polizeibeamte stehen in der Nähe des Tatorts einer Messerattacke vor der Kirche Notre-Dame in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza. Bei der Messerattacke hat es mindestens drei Tote und mehrere Verletzte gegeben. Quelle: Eric Gaillard/Pool Reuters/AP/dp

„Akt abscheulicher Gewalt“: Entsetzen nach Messerattacke in Nizza

Köln, Nizza. Die mutmaßlich islamistisch motivierte Messerattacke im südfranzösischen Nizza hat Entsetzen ausgelöst. Politiker und Islamverbände verurteilten die Tat, manche sicherten Frankreich ihre Unterstützung zu.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Morde scharf. Die Grausamkeit der Tat sei schockierend, erklärte Steinmeier am Donnerstag in Berlin. Sie sei “ein Akt abscheulicher Gewalt”. Steinmeier erinnerte dabei auch an den noch nicht lang zurückliegenden Mord am französischen Lehrer Samuel Paty, der in seinem Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte.

Der Gewalt und den islamistischen Motiven, die offenbar dahinter stehen, müsse jeder mit aller Entschiedenheit entgegentreten, sagte Steinmeier. “Zugleich dürfen wir uns die Logik des Hasses und der Spaltung nicht aufzwingen lassen, die jene antreibt, die solche Taten begehen und zu ihnen anstiften”, betonte er. Die offene, plurale Gesellschaft sei stark, wenn sie ihr Zusammenleben auf Respekt, Anerkennung und Einbeziehung statt auf Herabwürdigung, Stigmatisierung und Ausgrenzung gründe. Deutschland stehe fest an der Seite Frankreichs.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte über ihren Sprecher Steffen Seibert: “Der französischen Nation gilt in diesen schweren Stunden Deutschlands Solidarität.”

Außenminister Heiko Maas (SPD) unterstrich, die grausamen Morde von Nizza seien Terror. “Radikaler Islamismus tötet und darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben”, erklärte Maas bei Twitter. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) schrieb in einem Kondolenzbrief an den Präsidenten der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand: “Wir stehen in dieser schwierigen Lage, in der die Menschlichkeit und Toleranz und damit die Werte unserer freiheitlichen, offenen Gesellschaften angegriffen werden, fest an der Seite unserer französischen Freunde.”

US-Präsident Donald Trump sagte Frankreich ebenfalls Unterstützung zu. Mit Blick auf den mutmaßlichen Terrorakt schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter: “Diese radikalislamistischen Terrorangriffe müssen sofort aufhören”. Die USA stünden Frankreich “in diesem Kampf” zur Seite, schrieb Trump weiter. “Unsere Herzen sind bei den Menschen in Frankreich.”

Mehrere Islamverbände verurteilten den Messerangriff zudem. Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, erklärte am Donnerstag in Köln: „Wer Mord und Terror über die Menschen bringt, der hat sich an der Menschheit vergangen, der hat sich an Gott vergangen - der hat Verrat an unser aller Zivilisation und den Werten jeder Religion begangen, der hat gegen Koran und den Propheten gehandelt.“ Die Gedanken und Gebete seien bei den Opfern und den Hinterbliebenen des Anschlages.

Zugleich rief Mazyek die Muslime dazu auf, noch entschlossener gegen Extremismus vorzugehen. „Wir als Muslime müssen gesamtgesellschaftlich noch entschlossener gegen Terror und Extremismus vorgehen“, betonte er.

Mann tötet drei Menschen mit Messer

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, Bekir Altas, zeigte sich „zutiefst erschüttert“ über die Tat. „Wer so etwas tut, hat es auf die Gesamtgesellschaft abgesehen, auf das friedliche Zusammenleben, auf unsere Familien und Freunde, auf unsere Werte und nicht zuletzt auch auf unseren Glauben und unsere Überzeugungen“, sagte er. „Unsere volle Solidarität gilt dem französischen Volk. Wir beten für die Toten und Verletzten sowie ihre Angehörige.“

Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, äußerte sich ebenfalls erschüttert. “Der feige Anschlag in einer Kirche trifft alle Religionen ins Mark, die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen”, erklärte Bedford-Strohm am Donnerstag. “Er darf die Normalität des friedlichen Miteinanders von Millionen Christen und Muslimen nicht überdecken.”

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing sagte, er sei “entsetzt” und “sprachlos”. “Erneut wird bei unseren französischen Nachbarn offensichtlich Hass zwischen den Religionen geschürt”, sagte Bätzing laut Mitteilung. “Gemeinsam müssen wir in Europa der Ideologie der Gewalttäter und ihrem Versuch der gesellschaftlichen Destabilisierung widerstehen.”

In Nizza hatte am Donnerstagvormittag ein Mann drei Menschen in und nahe der Basilika Notre-Dame mit einem Messer getötet. Unter den Opfern sei der Aufseher der Kirche, teilte Bürgermeister Christian Estrosi auf Twitter mit. Der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Das Stadtoberhaupt sprach von einer „islamofaschistischen“ Tat.

RND/epd

Polizeibeamte stehen in der Nähe des Tatorts einer Messerattacke vor der Kirche Notre-Dame in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza. Bei der Messerattacke hat es mindestens drei Tote und mehrere Verletzte gegeben.