Die Virologin Melanie Brinkmann sagt den Satz des Abends: „Es gibt nur blöde Wege aus der Pandemie – wir müssen den Weg finden, der am wenigsten wehtut.“ Quelle: imago images/Jürgen Heinrich

Virologin bei Illner: „Es gibt nur blöde Wege aus dieser Pandemie“

Berlin. Mit Polittalks im Fernsehen ist das ja immer so eine Sache. Eigentlich gibt es davon ohnehin schon viel zu viele – und seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist auch die thematische Varianz gegen null tendiert. Doch manchmal gibt es glücklicherweise Lichtblicke.

Am Donnerstagabend zum Beispiel. Da ragt die Sendung von Maybrit Illner zum Thema „Die Welle brechen – wie weit fährt Deutschland runter?“ eindeutig aus den ganzen Durchschnitts-Corona-Talks der vergangenen Monate heraus. Begründbar ist das ein Stück weit mit dem Thema – der kommende Teil-Lockdown ist schließlich die einschneidendste Maßnahme der jüngeren Vergangenheit –, aber auch mit der Gästeauswahl.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), Grünen-Chef Robert Habeck, Virologin Melanie Brinkmann und Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sitzen mit Illner am Tisch – Ute Teichert, die dem Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vorsitzt, ist per Video zugeschaltet.

Nur ein Gegner des Teil-Lockdowns

Es entwickelt sich tatsächlich eine konstruktive Diskussion; miteinander statt gegeneinander, progressiv statt sich im Kreis drehend. Im Grunde sind alle Gäste einer Meinung: dass der Teil-Lockdown richtig und notwendig sei. Nur Gassen, der zuletzt gemeinsam mit anderen Virologen eine „pauschale Lockdown-Regelung“ abgelehnt hat, vertritt einen anderen Standpunkt.

Er setzt auf ein Ampelsystem und darauf, dass positiv Getestete ihre Kontakte selbst informieren und so Gesundheitsämter entlasten. Doch im Laufe der Sendung fällt das Konzept auseinander. Ohne Kontaktnachverfolgung „haben wir überhaupt keine Erkenntnisse mehr“, sagt Teichert. „Dieses gute Pfund“ dürfe man nicht aus der Hand geben. Regionale Maßnahmen seien aktuell „überholt“, es gebe einen „Flächenbrand“.

Den Satz des Abends sagt Virologin Brinkmann: „Es gibt nur blöde Wege aus der Pandemie – wir müssen den Weg finden, der am wenigsten wehtut.“ Deshalb müssten Alternativen auf den Tisch, um langfristig durch die Krise zu kommen. „Wir klettern alle für vier Wochen auf den Baum. Und dann ist der Spuk vorbei. Das funktioniert aber nicht“, betont sie.

Auch Gassen fordert langfristige Strategien, damit „nach dem Shutdown“ nicht „vor dem Shutdown“ sei. Das sieht Grünen-Chef Habeck ebenfalls so. „Die entscheidende Frage“ sei: „Wie verhindern wir, dass es wieder so wird?“ Entscheidend sei, „in den kommenden vier Wochen besser zu sein als in den vergangenen vier Monaten“.

„Die härtesten Monate der Pandemie“

Als oppositioneller Besserwisser tritt er an diesem Abend immerhin nicht auf. Die Begründung für die erneuten Kontaktbeschränkungen sei zwar nicht gut genug kommuniziert worden, doch er gibt zu: Zu behaupten, die Grünen „hätten alles besser gewusst“ und in den vergangenen Wochen auch besser gehandelt, wäre „naseweis“.

Und dann darf natürlich der Blick auf Weihnachten nicht fehlen. Es werde anders in diesem Jahr, sagt Gassen. Doch der saarländische Ministerpräsident Hans ergänzt: „Letztendlich kann man sich vorstellen, dass, wenn wir Erfolg haben, Gastronomiebetriebe offen und mit guten Hygienekonzepten Feierlichkeiten möglich sind.“

Hans’ Schlusswort ist eine Mischung aus der Vorbereitung auf eine noch schwierigere Zeit und aus Optimismus. „Mit etwas Glück, wenn ein Impfstoff gefunden ist, werden die kommenden vier Monate die härtesten der Pandemie. Aber danach besteht zumindest Hoffnung, dass wir es besser hinkriegen“, sagt er. Diese Hoffnung teilen viele.

RND/tdi