Ein letztes Mal feiern vor dem Teil-Lockdown? Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa

Torschlusspanik an der Kneipentheke? In den Lockdown hineinzufeiern, verlängert ihn nur

Berlin. Die Versuchung ist groß: Es ist Halloween, und es ist das letzte Wochenende, um vor dem Beginn des vierwöchigen Teil-Lockdowns am Montag noch einmal ein Stück Freiheit zu genießen – ganz legal. Da ist es verständlich, dass gerade landauf, landab Kulturveranstaltungen und Partys vorverlegt werden; dass die vorerst letzte Pizza im Restaurant nebenan besonders reizvoll erscheint und man noch einen unbeschwerten Abend mit Freunden in der Bar plant. Schließlich winken dann wieder Netflix, Flaschenbier und Tiefkühlpizza.

Die Torschlusspanik ist nachvollziehbar, aber unangebracht. Jeder, der schon einmal eine Diät versucht hat, kennt das Paradox: Wenn ich mich ab morgen einschränken muss, schlage ich heute noch mal richtig zu. Doch die zusätzliche Tafel Schokolade lässt das angepeilte Ziel bloß in noch weitere Ferne rücken – die Fastenzeit wird umso länger.

Ähnlich verhält es sich mit dem Coronavirus: Je stärker die Infektionszahlen durch weitere Geselligkeit in diesen Tagen in die Höhe getrieben werden, desto länger wird der Teil-Lockdown aufrechterhalten werden müssen. Immerhin ist eine Überprüfung des Effektes nach zwei Wochen schon angekündigt.

Je disziplinierter wir aber schon jetzt alle sind – aus freien Stücken –, desto eher können wir uns auf Lockerungen freuen. Das wäre auch gegenüber Gastronomen, Kulturveranstaltern und all jenen, auf die harte Wochen zukommen, nur fair. Die Einnahmen von einem durchzechten Wochenende retten sie nicht über den langen Winter. Je früher sie aber wieder ihre Türen öffnen dürfen, desto bessere Chancen haben sie, die erneute Durststrecke zu überstehen. Wir schulden es auch den Gesundheitsämtern und Krankenhäusern, die gerade in der zweiten Welle untergehen. Das eigentlich Paradoxe ist: Natürlich wissen wir all das, doch Logik und Vernunft sind nun mal miese Spielverderber. Das Virus aber ist der ungleich größere.

Von Rebecca Lessmann/RND