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USA, Jackson: David Flynt aus Hattiesburg demonstriert für mit weiteren Anhängern der Mississippi-Flagge vor dem Kapitol des Staates Jackson. Quelle: Rogelio V. Solis/AP/dpa

US-Senat: Zeichen des Wandels im tiefen Süden der USA

Columbia. Der äußerste Süden der USA ist seit Jahrzehnten in weiten Teil fest in der Hand von weißen Republikanern. Aber in diesem Jahr, da Polizeigewalt und Rassismus das Land erschütterten, schickt die Demokratische Partei dort mehr schwarze Kandidaten in die Senatswahlen als je zuvor seit dem späten 19. Jahrhundert.

In South Carolina fordert der Demokrat Jaime Harrison mit einem großen Wahlkampfetat einen einflussreichen Republikaner heraus. Im benachbarten Georgia will Raphal Warnock den Senatssitz einer Republikanerin erobern. In Mississippi und Louisiana wollen Mike Espy und Adrian Perkins antreten. Die afroamerikanischen Kandidaten stehen im Vergleich zu den vergangenen Jahren für eine diversere politische Führung. Die Demokraten setzten im Süden sonst eher auf weiße Moderate. Damit sollten unzufriedene Republikaner angesprochen werden, aber das scheiterte oft.

„Wir führen ständig einen harten Kampf, damit Demokraten sich eine Welt vorstellen können, wo Leute, die so aussehen wie ich, überall brauchbare Kandidaten sein können - nicht nur in ihren blauen (demokratischen) Staaten, nicht nur in Großstädten“, sagt Quentin James von der Lobbygruppe The Collective, die schwarze Kandidaten unterstützt.

Zeichen des Wandels

Derzeit hat der US-Senat bloß drei schwarze Mitglieder: den Republikaner Tim Scott aus South Carolina, den Demokraten Cory Booker und die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris aus Kalifornien. Die vier Kandidaten aus dem Süden stehen vor großen Hürden. Von ihren vier Staaten hat nur einer einen demokratischen Gouverneur. In South Carolina ist es fast 15 Jahre her, dass ein Demokrat auf Staatsebene ins Amt gewählt wurde, und 44 Jahre, seit ein demokratischer Präsidentschaftskandidat hier gewonnen hat.

Doch es gibt Zeichen für einen möglichen Wandel. In Georgia und North Carolina - die seit 1992 beziehungsweise 2008 keinen demokratischen Kandidaten für das Weiße Haus unterstützt haben - liefert sich der demokratische Herausforderer Joe Biden ein knappes Rennen mit dem republikanischen Präsidenten Donald Trump.

Die Zwischenwahlen 2018 markierten eine Art Wendepunkt. Als die Demokratin Stacey Abrams in Georgia knapp die Gouverneurswahl verlor, deutete ihr starkes Abschneiden vor allem in den eher republikanischen Vororten von Atlanta darauf hin, dass es einen Weg für schwarze Demokraten geben könnte. Einer von ihnen ist nun Warnock, Pastor einer Kirche in Atlanta, in der Bürgerrechtsikone Martin Luther King einst predigte.

Für Gesundheitsreformen und “Black Lives Matter”

Warnock betont im Wahlkampf seine Erfahrungen als Schwarzer im südöstlichen Teil der Südstaaten, dem sogenannten Deep South, und setzt sich für einen besseren Zugang zur Gesundheitsvorsorge, für Wahlrechte, eine Strafrechtsreform und die Bewegung „Black Lives Matter“ ein.

In Louisiana gilt der Armeeveteran Perkins als Favorit für eine überparteiliche Vorwahl, um den Herausforderer des republikanischen Senators Bill Cassidy zu bestimmen. Er wird vom ehemaligen Präsidenten Barack Obama und anderen ranghohen Demokraten unterstützt. Da er erst spät ins Rennen einstieg, verfügt Perkins allerdings nicht über einen großen Etat.

In Mississippi versucht Espy mit seiner Kandidatur gegen die republikanische Amtsinhaberin Cindy Hyde-Smith zum zweiten Mal, der erste schwarze Senator des Staates seit rund 150 Jahren zu werden. 1986 war er hier zum ersten schwarzen Abgeordneten in der Moderne gewählt worden, bevor er in das US-Landwirtschaftsministerium wechselte.

Mit einem Riesen-Budget gegen Lindsey Graham

In Tennessee kämpft die Demokratin Marquita Bradshaw, eine schwarze Umweltaktivistin, um den vakanten Senatssitz des in Ruhestand gegangenen Republikaners Lamar Alexander. Sie tritt gegen Bill Hagerty an, einen früheren US-Botschafter in Japan, der Trump hinter sich hat. Seit 1994 sind beide Senatssitze von Tennessee in republikanischer Hand.

Die meiste Aufmerksamkeit landesweit zog jedoch Harrison mit seinem stolzen Budget von mehr als 100 Millionen Dollar auf sich. Er tritt an gegen den republikanischen Senator Lindsey Graham, den er als zu Trump-nah kritisiert. Harrison pflasterte South Carolina mit Wahlwerbung, in der er seine einfache Herkunft in den Mittelpunkt rückt. Seine Mutter sei bei seiner Geburt erst 16 gewesen, seine Großeltern seien nur wenige Jahre zur Schule gegangen, sagte er kürzlich bei einer Kundgebung. Dennoch habe er an Eliteunis studiert und stehe nun kurz davor, der nächste Senator für South Carolina zu werden. Das sei nur in Amerika möglich.

RND/AP