Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Zwangseinweisung für Quarantäneverweigerer? Eine schlechte Idee

Die Kritiker der Corona-Politik, die sich am Samstag in Leipzig versammeln, machen mit wachsender Militanz von sich reden. Die Grenzen zum Extremismus sind fließend. Ein Teil der Szene schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Die Idee des baden-württembergischen Innenministers Thomas Strobl (CDU), hartleibige Quarantäneverweigerer in Kliniken zwangseinzuweisen, ist trotzdem falsch.

Sie ist prinzipiell falsch, weil wir letztlich trotz allem von einer Krankheit sprechen. Auch wenn es sich um eine Infektionskrankheit handelt, die für Risikopatienten tödlich enden kann, muss es tendenziell der Freiheit von Menschen überlassen bleiben, wie sie damit umgehen. Aus dem Grund sind die von der Bundespolizei angewandte Schleierfahndung gegen Rückkehrer aus Risikogebieten und Überlegungen, Kontrollen in Privatwohnungen durchzuführen, ebenfalls problematisch. Bußgelder für Maskenverweigerer müssen reichen.

Falsch ist zudem der Zeitpunkt. Denn die Idee wirkt wie ein Aufputschmittel für die Corona-Leugner-Szene, die in breiten Bevölkerungskreisen bisher kaum Resonanz findet. Rund 90 Prozent der Deutschen halten die Corona-Beschränkungen ja für richtig. Und ein Blick in die Welt zeigt, dass wir mit dem Problem nicht allein sind. Die Definition von Pandemie lautet: weltweit auftretende Infektionskrankheit. Der Tatsache, dass ein Teil der Menschen auf die Herausforderungen der Moderne mit Irrationalität reagiert, wird man mit Zwang nicht beikommen.

Strobls Idee ist schließlich praktisch falsch. Sollen an Personalmangel leidende und mit der Pandemie in Teilen überforderte Krankenhäuser jetzt zu allem Überfluss noch renitente Patienten bewachen? Nein, das können sie nicht leisten. Und das wollen sie gewiss nicht leisten. Man sollte das Thema so schnell wie möglich ad acta legen.

Von Markus Decker/RND