Joe Biden, "Gewählter Präsident" («President-elect») der USA, spricht im Queen-Theater nach einem Treffen mit seinem neuen Expertenrat, der die Politik seiner Regierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie gestalten soll. Quelle: Carolyn Kaster/AP/dpa

Telefonat mit Merkel: Biden will Beziehungen zu Deutschland stärken

Berlin. Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesagt, die Beziehungen zu Deutschland stärken zu wollen. In einem Telefonat mit der CDU-Politikerin erklärte der 77-Jährige am Dienstag nach Angaben seines Teams auch die Absicht, die transatlantischen Beziehungen insgesamt über die Zusammenarbeit mit der EU und in der Nato wiederzubeleben.

Biden habe sein Interesse bekundet, bei gemeinsamen Herausforderungen eng mit Merkel zusammenzuarbeiten. Dazu gehörten die Bekämpfung der Corona-Pandemie, der Klimaschutz und die Wiederbelebung der globalen Wirtschaft. „Er hat auch die Möglichkeit begrüßt, mit der EU an einer gemeinsamen Agenda zu arbeiten“, hieß es in der Erklärung des Biden-Teams.

Biden selbst sagte über seine Telefonate mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen Staats- und Regierungschefs am Dienstag vor Reportern: “Zunächst einmal lasse ich sie wissen, dass Amerika zurück ist. Wir werden wieder im Spiel sein. Es geht nicht nur um Amerika.”

Damit spielte der Demokrat Biden auf die außenpolitische “America First”-Doktrin des republikanischen Amtsinhabers Donald Trump an. Trump hatte unter anderem mit einem Rückzug der USA aus der Nato gedroht und Verbündete wie Deutschland immer wieder scharf angegriffen.

Biden sagte, die Reaktionen, die er auf der ganzen Welt von Verbündeten und Freunden bekommen habe, seien positiv gewesen. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, die USA wieder zu einem respektierten Partner zu machen.

Biden hat bei der Wahl vor einer Woche laut Erhebungen und Prognosen der großen US-Medien eine sichere Mehrheit erreicht und gilt damit als gewählter Präsident. Der unterlegene amtierende Präsident Donald Trump will die Wahl aber nicht anerkennen und den Wahlausgang vor Gericht anfechten. Die Vereidigung Bidens soll am 20. Januar stattfinden.

Von den Störfeuern von Trump will Biden sich indes nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nichts werde seine Regierung davon abhalten, sich auf ihren Amtsantritt im Januar vorzubereiten, sagte Biden am Dienstag in seiner Heimatstadt Wilmington in Delaware. Dass Trump sich nach wie vor weigere, seine Wahlniederlage einzugestehen, bezeichnete er als “peinlich”. “Das wird nicht zum Vermächtnis des Präsidenten beitragen.”

Merkel wünscht sich enge Zusammenarbeit

Nach Angaben des deutschen Regierungssprechers Steffen Seibert wünschte Merkel sich in dem Telefonat mit Biden eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Beide seien sich einig gewesen, „dass der transatlantischen Zusammenarbeit angesichts der Vielzahl globaler Herausforderungen eine hohe Bedeutung zukommt“. Merkel habe auch der zur Vizepräsidentin gewählten Kamala Harris ihre Glückwünsche übermittelt.

Die Kanzlerin hatte Biden bereits am Samstag schriftlich gratuliert. Am Montag bot sie ihm in einer öffentlichen Stellungnahme ein stärkeres deutsches Engagement in Sicherheitsfragen an. „Wir Deutsche und wir Europäer wissen, dass wir in dieser Partnerschaft im 21. Jahrhundert mehr eigene Verantwortung übernehmen müssen“, sagte die CDU-Politikerin.

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren in vier Jahren Trump auf einen Tiefpunkt abgestürzt. Jetzt hofft die Bundesregierung auf eine deutliche Verbesserung.

RND/dpa