Beamte eines Höheninterventionsteams (HIT) des Spezialeinsatzkommandos (SEK) nehmen einen Aktivisten fest, der sich auf einem Tripod in der Rodungsschneise aufgehalten hatte. Polizisten beginnen am zweiten Tag des Großeinsatzes mit der Räumung des Dannenröder Waldes. Quelle: Boris Roessler/dpa

Polizei setzt A49-Einsatz im Dannenröder Wald fort und stößt auf neue Barrikaden

Homberg/Ohm. Begleitet von weiteren Protesten von Umwelt- und Klimaschützern hat die Polizei am Mittwoch ihren Großeinsatz im Dannenröder Forst fortgesetzt und ist dabei auf über Nacht errichtete neue Barrikaden gestoßen.

Wieder waren mehrere hundert Polizisten in dem Waldstück bei Homberg (Ohm) vor Ort, in dem Rodungsarbeiten für den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 anstehen. „Das ist in unseren Planungen mit drin, dass es hier immer wieder neue Aktionen gibt, dass hier über Nacht einiges aufgebaut wird von dem, was wir wegnehmen“, sagte ein Polizeisprecher.

Den am Vortag begonnenen Einsatz bezeichnete er dennoch als erfolgreich. Die Kräfte hätten einige Gefahrenquellen identifizieren und beseitigen können, „so dass die Zufahrtswege als auch die Rettungswege frei sind und wir jetzt hier den Wald besser erreichen können“.

Im nördlichen Teil des Gebietes stand demnach die weitere Räumung von Barrikaden und Hindernissen an. Im Süden ging es um den Aufbau von Logistik. Rodungen wurden zunächst noch nicht erwartet.

Zwischenfall mit drei Festnahmen

Einige Aktivisten kletterten auch am Mittwoch wieder in Bäume oder zogen sich auf Hängematten oder eine Art Schaukel zurück, die an Seilen befestigt waren. Zu einem Zwischenfall kam es laut Polizei, als drei Ausbaugegner versuchten, eine Absperrung zu durchbrechen. Dabei seien sie von etwa 25 Personen unterstützt worden, teilte die Polizei auf Twitter mit.

Entgegen eines ersten Berichtes seien keine Steine und Hölzer geworfen worden. Diese wurden einem Sprecher zufolge aber mitgeführt. Es kam zum Schlagstockeinsatz, bei dem laut Sprecher niemand getroffen wurde. Die Polizei nahm drei Personen fest.

Aktivistin: Beamte kommen nur „extrem langsam“ voran

Aus Sicht einer Aktivistin kommen die Beamten bei ihrem Einsatz nur „extrem langsam“ voran. „Gestern hat die Polizei angefangen, hier einige Strukturen wegzuräumen, und heute waren sie im Prinzip wieder da“, sagte die junge Frau.

Im Dannenröder Wald sollen auf einer Fläche von 27 Hektar Bäume für den Lückenschluss der Autobahn 49 gerodet werden. Aktivisten wollen das verhindern und halten den Forst, der für sie ein Symbol des Verkehrsprojektes ist, seit mehr als einem Jahr besetzt.

Die A49 soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Befürworter versprechen sich von der Autobahn weniger Lärm und Verkehrsbelastung in Dörfern der Region, die Gegner halten das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt.

RND/dpa