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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Quelle: imago images/Future Image

Nur noch einen Freund treffen: Giffey verteidigt vorgeschlagene Kontaktregel für Kinder

Berlin, Essen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die vom Bundeskanzleramt vorgeschlagene Regel verteidigt, dass Kinder in ihrer Freizeit nur noch eine Freundin oder einen Freund treffen sollen. „Die Maßnahme ist bisher nicht beschlossen worden“, sagte Giffey dem Berliner „Tagesspiegel“. „Wenn, dann ginge es ja nur um die Freizeit und die Kinder hätten trotzdem weiterhin Kontakte in Kita und Schule - oft sind das die wichtigsten Freundinnen und Freunde.“

Außerdem begegneten sich viele Grundschulkinder und Jugendliche über digitale Möglichkeiten, um miteinander zum Beispiel Hausaufgaben zu machen oder Spiele zu spielen.

Kinderschutzverbände kritisieren die Empfehlungen zur Kontaktbeschränkung. „Soziale Interaktion ist sehr wichtig, gerade für Jugendliche ist sie das zentrale Entwicklungsmoment“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hofmann, den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe. Es sei „völlig unverhältnismäßig und kinderfeindlich“, dies auf einen Kontakt zu beschränken.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund sieht den Vorstoß mit großer Sorge. „Es ist furchtbar für das Kind, das sich zwischen seinen Freunden entscheiden soll und es ist furchtbar für jenes Kind, das im Zuge einer solchen Entscheidung vielleicht abgewiesen werden musste“, sagte Präsident Heinz Hilgers.

Es ärgere ihn, dass in den jüngsten Vorschlägen für Kontaktbeschränkungen vor allem Kinder und Jugendliche im Zentrum stünden. „Denn gleichzeitig läuft in den Bürohäusern deutscher Innenstädte ein völlig ungeregelter Präsenzbetrieb weiter“. Diese Jobs könnten Angestellte „genauso gut und vor allem sicher von Zuhause erledigen“.

Auf die Kinder schauen, die sonst wenige Kontakte haben

Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), mahnte ebenfalls dazu, darauf zu achten, dass keiner „übrig bleibt“ bei der Wahl des festen Kontakts. „Nach denen, die sonst wenige Kontakte haben, muss man jetzt schauen, damit die nicht völlig vereinsamen“, sagte er. Kölch zeigte sich aber auch optimistisch, dass Kinder und Jugendliche mit altersgerechten Erklärungen gut mit der Situation umgehen könnten.

Giffey hält es für möglich, dass es unter bestimmten Vorraussetzungen doch noch zu Schließungen von Kitas und Schulen kommen könnte. „Angesichts der Infektionszahlen kann sich natürlich niemand sicher sein, dass wir nicht doch an einen Punkt kommen, an dem Kita- und Schulschließungen unumgänglich sind. Ich sage nur ganz klar: Das darf nicht unser erstes, sondern muss unser letztes Mittel sein“, sagte Giffey.

Bund und Länder hatten am Montag nach einer Zwischenbilanz des November-Lockdowns an die Bevölkerung appelliert, soziale Kontakte noch weiter zu beschränken. Auch Kinder und Jugendliche sind nun angehalten, sich nur noch mit einem festen Freund in der Freizeit zu treffen.

RND/epd