Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Quelle: Janine Schmitz/photothek.net

15 Jahre Angela Merkel – eine Kanzlerin, die neue Maßstäbe setzt

Berlin. Der Anfang war nicht gerade furios. Als Angela Merkel vor 15 Jahren, am 22. November 2005, im Bundestag als Bundeskanzlerin vereidigt wurde, war sie keine strahlende Siegerin. Sie hatte die Wahl gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder knapper gewonnen als erwartet. Sie hatte einen Putschversuch aus der CDU-Spitze knapp vereitelt. Es reichte nicht zum Wunschkonstrukt, einer Koalition mit der FDP, die Union zwängte sich ächzend in eine Regierung mit der SPD.

Dabei war es ein Einschnitt: Erstmals war der deutsche Regierungschef nun eine Frau, das Wort Bundeskanzlerin fühlte sich fremd an. 15 Jahre nach der deutschen Einheit saß im Kanzleramt erstmals eine Ostdeutsche. Selten hatte auch ein Oppositionsführer einen amtierenden Kanzler besiegt. Und in der CDU rieben sich die die Augen, die seit ihrer Jugend auf politische Führungsämter hingearbeitet hatten: Nicht nur an der Spitze der Partei, sondern auch an der Regierung stand nun eine Quereinsteigerin, gegen die die eingeübten Machtzirkel nicht zu Rande zu kommen schienen.

Die kleinen Schritte haben Deutschland Stabilität gebracht

„Wer hätte das gedacht, dass wir jetzt hier stehen“, sagte Merkel in ihrer ersten Regierungserklärung und kündigte eine „Politik der kleinen Schritte“ an. Auch das klang, nach all den Jahren der Großspurigkeitsexperten Helmut Kohl und Gerhard Schröder anders, nämlich ungewohnt unspektakulär.

Auf diese Weise hat sich Merkel lange im Amt gehalten, so lange, dass mittlerweile das Wort „Bundeskanzler“ zumindest für Jüngere fremd klingt. Die kleinen Schritte, der nach außen getragene Stoizismus, das oft quälend lange Abwarten haben bei manchen Sehnsüchte nach der großen Geste und den knallharten Sprüchen geweckt. Aber sie haben das Land in den vielen Krisen der letzten Jahre von der Finanz-, über die Banken-, Euro- und Flüchtlingskrise bis hin zu Corona, Stabilität gebracht. Manche für eine CDU-Kanzlerin erstaunliche Kehrtwende, wie etwa die Abkehr von der Atomkraft, eingeschlossen.

Merkel hat ihre Kraft in der Mitte konzentriert. Der AfD wird sie als Feindbild fehlen. Merkels letztes Amtsjahr hat begonnen. Sie wird die erste bundesdeutsche Regierungschefin sein, die ihren Posten freiwillig verlässt. Es ist dadurch kein Abgang mit lautem Knall, aber dennoch spektakulär. Und der uneitle Regierungsstil wird ein neuer Maßstab sein.

Von Daniela Vates/RND