Warschau: Eine Demonstrantin trägt eine Fackel. Bei Protesten gegen eine Verschärfung des Abtreibungsrechts in Warschau sind mehrere Menschen festgenommen worden. Im Oktober hatte das Verfassungsgericht des EU-Landes entschieden, dass Frauen auch dann keine Abtreibung vornehmen dürfen, wenn das ungeborene Kind schwere Fehlbildungen aufweist. Quelle: Radek Pietruszka/PAP/dpa

Polen: Festnahmen bei Protesten gegen Abtreibungsverbot

Warschau. Bei Protesten gegen eine Verschärfung des Abtreibungsrechts in Warschau sind mehrere Menschen festgenommen worden. Darunter befand sich auch eine Fotoreporterin der Zeitung „Gazeta Wyborcza“, wie die Nachrichtenagentur PAP am Montag berichtete. Vor einer Polizeiwache, wo die Festgenommenen nach Ansicht der Demonstranten festgehalten wurden, kam es am Abend erneut zu Protesten.

Die Organisation Allpolnischer Frauenstreik hatte zu einer Autoblockade aufgerufen. In der Hauptverkehrszeit am späten Nachmittag kam der Verkehr auf einer Brücke über die Weichsel nach Angaben der Stadtverwaltung zeitweilig zum Erliegen. Ein großes Polizeiaufgebot war rund um die Proteste im Einsatz.

Fernsehaufnahmen zeigten, wie sich mehrere Dutzend Menschen vor dem Bildungsministerium Rangeleien mit der Polizei lieferten. Die Beamten hatten das Gebäude abgesperrt. Die Demonstranten riefen Parolen wie „Freie Bildung, freie Abtreibung“. Bildungs- und Forschungsminister Przemyslaw Czarnek gilt als Hardliner in der nationalkonservativen Regierungspartei PiS. Der erzkonservative Politiker hat sich mit Hetzkampagnen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen (LGBT) hervorgetan.

Im Oktober hatte das Verfassungsgericht des EU-Landes entschieden, dass Frauen auch dann keine Abtreibung vornehmen dürfen, wenn das ungeborene Kind schwere Fehlbildungen aufweist. Seitdem gibt es Proteste. Die Entscheidung bedeutet eine Verschärfung des polnischen Abtreibungsrechts, das ohnehin zu den strengsten in Europa gehört.

RND/dpa