Männerbündnis: Friedrich Merz und JU-Chef Tilman Kuban 2019 beim Deutschlandtag der Jungen Union. Quelle: Harald Tittel/dpa

Abschied vom Männerclub: Junge Union will Frauenanteil im Vorstand verdoppeln

Berlin. Vor zwei Jahren hat es Angela Merkel mal mit Ironie versucht. Der geschäftsführende Bundesvorstand der Jungen Union sei „schön männlich“, sagte sie da. „Aber 50 Prozent des Volkes fehlen.“ Die Kanzlerin war zu Gast bei der Jahresversammlung der CDU/CSU-Nachwuchsorganisation. Es war Oktober 2018, Merkel war noch CDU-Chefin und hatte ihren Rückzug noch nicht angekündigt.

„Frauen bereichern das Leben: nicht nur privat, sondern auch politisch“, fügte sie hinzu. „Sie wissen gar nicht, was Sie verpassen.“

In der JU-Spitze seufzte man, es sei halt schwierig, die Landesverbände dazu zu bringen, mehr Frauen zu nominieren – auch weil dann der eine oder andere Mann eben verzichten müsse.

Nun bewegt sich doch noch was beim Unions-Nachwuchs, bei dem man bis zum Alter von 35 Jahren Mitglied sein kann: Am kommenden Sonntag wird bei der nächsten Jahresversammlung, dem sogenannten Deutschlandtag, turnusgemäß der Vorstand neu gewählt.

Und da soll sich der Frauenanteil auf einmal fast verdoppeln.

„Ein persönliches Anliegen“

Neun der 22 Bewerber für den neuen Vorstand seien weiblich, sagte der JU-Vorsitzende Tilman Kuban dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Damit haben wir die Chance, den Frauenanteil im Vorstand von 23 auf 41 Prozent zu steigern.“

Bisher hat der Landesverband Nordrhein-Westfalen zwei Frauen in das Leitungsgremium geschickt und Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen jeweils eine. Dazu sollen nun noch Vertreterinnen aus Berlin, Hamburg und Niedersachsen kommen, sowie eine weitere Bewerberin aus NRW.

Kuban findet, dies sei ein wichtiger Schritt: „Um mehr junge Frauen für die Politik zu begeistern, müssen die vielen starken Nachwuchspolitikerinnen noch sichtbarer werden.“

Er ist 2019 ins Amt gekommen, nachdem sein Vorgänger Paul Ziemiak als Generalsekretär in die CDU-Zentrale wechselte, und kandidiert erneut als Vorsitzender.

Kuban sagt, es sei ihm „ein persönliches Anliegen, junge Frauen noch stärker zu fördern“.

In der CDU soll es nach dem Willen des aktuellen Vorstands demnächst eine deutlichere Frauenquote für Parteiführungsgremien geben, weil bisherige Quotenregelungen gerne durch Tricks umgangen wurden.

Die Junge Union hat sich darüber genauso wenig begeistert gezeigt wie Friedrich Merz, der den Quotenbeschluss infrage gestellt hat. Die JU unterstützt Merz’ Kandidatur für den CDU-Vorsitz.

Die nächste Quote kommt nun wohl erst mal per Gesetz, allerdings für Unternehmen, nicht für Parteien: Fachpolitiker von Union und SPD haben sich darauf geeinigt, die gesetzliche Frauenquote für Vorstände von börsennotierten Unternehmen zu verschärfen.

Von Daniela Vates/RND