Ein Auto steht vor dem Tor des Bundeskanzleramtes in Berlin. Auf der Tür ist die Aufschrift „Stop der Globalisierungs-Politik“ zu lesen. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Auto fährt gegen Tor des Bundeskanzleramtes

Berlin. In Berlin ist am Mittwochmittag ein Auto gegen das Tor des Bundeskanzleramtes gefahren. Einsatzkräfte sind vor Ort. Auf der Seite des Fahrzeuges steht „Ihr verdammten Kinder- und alte Menschen-Mörder“, auf der anderen Seite „Stop der Globalisierungs-Politik“ (sic). In dem Gebäude hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Büro.

Die Polizei Berlin teilte mit, dass der männliche Fahrer (54) des VW aus dem Kreis Lippe in Gewahrsam genommen wurde. Die Hintergründe sind nach wie vor unklar. Laut eines Sprechers der Bundespolizei sei der Mann gegen 10 Uhr mit geringer Geschwindigkeit gegen das Gitter gefahren. Die Personen in dem Gebäude, darunter die Kanzlerin, seien zu jedem Zeitpunkt sicher gewesen, hieß es. Die Motivation des Täters werde aktuell geklärt und sei Bestandteil der Ermittlungen.

„Ob es sich um einen psychischen Zustand oder eine andere Motivation handelt, wird aktuell geklärt”, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz am Mittwoch. Es könne auch nur spekuliert werden, „ob es sich um einen symbolischen Akt handelte oder Aufmerksamkeit erregt werden sollte”.

Der Fahrer werde von der Polizei vernommen, sagte Cablitz. Er habe auch etwas zu seiner Tat gesagt. Dann entscheide die Polizei, wie weiter mit ihm verfahren werde.

Der 54-Jährige wurde am Mittwochmorgen zunächst in einem Krankenwagen behandelt. Von einer leichten Verletzung war die Rede. Der Mann hatte einen Rollstuhl dabei, konnte aber auch gehen.

Auf Bildern ist zu sehen, dass mehrere eiserne Zaunpfeiler des Eingangstores zum Kanzleramt verbogen sind. Das Auto selbst ist allerdings kaum beschädigt. Im Inneren des Fahrzeugs befinden sich eine Kamera, ein Rucksack, eine Flasche Fanta, eine Haarbürste und zwei Masken. Teil des Kennzeichens sind nach LIP für Kreis Lippe die Initialen HH. Der Halter des Wagens hat nach Angaben aus Polizeikreisen dieselben Initialen.

Der 54-Jährige beging bereits 2014 an der Berliner Regierungszentrale eine sehr ähnliche Tat. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Die Polizei bestätigte das zunächst nicht.

Im Februar 2014 war der damals 48 Jahre alte Mann mit demselben Auto gegen den Zaun des Kanzleramts gefahren. Fotos von dem Vorfall zeigen den Wagen mit einer politischen Beschriftung, die sich gegen den Klimawandel richtete. Auf der anderen Seite des Autos stand eine Liebeserklärung. Auch damals wurde der Mann von der Polizei festgenommen.

Bund und Länder wollen am Mittwoch den weiteren Kurs im Kampf gegen die Corona-Pandemie bis zum Jahresende festzurren. Nach den Vorstellungen der Länder soll bei der Videokonferenz (14 Uhr) von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten beschlossen werden, den geltenden Teil-Lockdown bis zum 20. Dezember zu verlängern. Über die Feiertage soll er dann aber gelockert werden.

mit dpa

Von Markus Decker, Jan Sternberg/RND