Militärfahrzeuge stehen in der Nähe des Ortes einer Explosion. Bei einem Anschlag in der afghanischen Provinz Ghasni sind mindestens 25 Soldaten getötet worden. Viele weitere Sicherheitskräfte seien bei dem Angriff verwundet worden, sagten Provinzräte am Sonntag, 29.11.2020. Quelle: Rohullah/XinHua/dpa

34 Tote bei Anschlägen in Afghanistan

Kabul. Bei Selbstmordanschlägen im Osten und im Süden Afghanistans sind nach offiziellen Angaben mindestens 34 Menschen getötet worden. 31 Soldaten seien am Sonntag bei einem Anschlag auf einen Militärstützpunkt in der östlichen Provinz Ghasni getötet und 24 weitere Menschen verletzt worden, sagten Regierungsvertreter. Im Süden des Landes seien mindestens drei Menschen bei einem Angriff auf den Konvoi eines Provinzratschefs getötet worden.

Bei beiden Selbstmordanschlägen setzten die Täter offenbar Fahrzeuge ein. In Ghasni fuhr der Angreifer einen mit Sprengsätzen gefüllten Militär-Truck in die Kommandozentrale hinein und brachte den Wagen dann zur Detonation, teilte ein Mitglied des afghanischen Sicherheitsrats mit, das anonym bleiben wollte. Das Gesundheitsamt in der Provinz bestätigte die Zahl der Toten. Das afghanische Verteidigungsministerium meldete jedoch lediglich zehn getötete und neun verletzte Soldaten. Das Fahrzeug sei zudem in der Nähe des Militärstützpunkts explodiert, nachdem Sicherheitskräfte es beschossen hätten. Der Grund für die unterschiedliche Darstellung war zunächst unklar.

Der Militärstützpunkt liegt in einer Wüstenregion etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt Ghasni. Nach der Explosion war ein Teil des Stützpunkts zerstört, in umliegenden Gebäuden waren Fenster zerbrochen.

Nach dem Anschlag in Subal in Südafghanistan hieß es, der Chef des Provinzrats, Attadschan Hakbajat, habe mit leichten Verletzungen überlebt. Einer seiner Personenschützer war nach Polizeiangaben vor Ort aber unter den Toten. Auch Kinder seien unter den insgesamt zwölf Verletzten gewesen.

Friedensverhandlungen laufen, doch die Gewalt nimmt zu

Unmittelbar nach den beiden Attentaten bekannte sich niemand dazu. Sie fallen in eine Zeit, in der afghanische Regierungsvertreter und die Taliban Verhandlungen in Katar führen, um den Krieg zu beenden.

Trotz der seit September laufenden Friedensverhandlungen ist die Gewalt in Afghanistan in diesem Jahr stark gestiegen. Es haben nicht nur Angriffe der Taliban auf Sicherheitskräfte zugenommen, sondern allein in diesem Monat hat es beispielsweise auch einen schweren Angriff der Terrorgruppe Islamischer Staat in Kabul gegeben. 22 Menschen starben bei einer Attacke auf die Universität Kabul, die meisten Opfer waren Studierende.

Die afghanische Regierung hat im Konflikt mit den Taliban einen Waffenstillstand gefordert. Diesen lehnen die militant-islamistischen Kämpfer jedoch unter dem Verweis ab, er müsse Teil der Verhandlungen sein. Bislang hat die Gruppe aber ihre Zusage gehalten, weder US- noch Nato-Truppen anzugreifen.

Die USA haben in den vergangenen Wochen an die Taliban appelliert, die Gewalt zu verringern. Washington plant noch vor Mitte Januar einen Abzug von 2500 Soldaten - dann wären noch etwa 2000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Ein schneller Abzug der Amerikaner wird in afghanischen Regierungskreisen kritisch gesehen. Manche haben die Sorge geäußert, die Taliban könnten dadurch die Oberhand in den Verhandlungen gewinnen.

RND/AP