Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, konnte in wichtigen brasilianischen Städten nicht den gewünschten Bürgermeisterkandidaten durchsetzen. Quelle: imago images/Agencia EFE

Bürgermeisterwahlen in Brasilien: Bolsonaros Lager verliert stark

Das rechte Lager des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hat bei den Stichwahlen um Bürgermeisterämter im Land herbe Verluste eingefahren. Eine regelrechte Abfuhr der Wählerinnen und Wähler kassierte Bolsonaro am Sonntag in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro, wo Bürgermeister Marcelo Crivella die Stichwahl gegen seinen Mitte-Rechts-Vorgänger Eduardo Paes verlor.

Der evangelikale Pastor Crivella hatte im Wahlkampf wiederholt mit Bolsonaro geworben, unterlag Paes aber mit 36 zu 64 Prozent der Stimmen.

In der größten brasilianischen Stadt São Paulo setzte sich in der Bürgermeister-Stichwahl Amtsinhaber Bruno Covas durch. Er holte am Sonntag rund 60 Prozent der Stimmen, auf seinen linken Herausforderer Guilherme Boulos entfielen 40 Prozent.

Bolsonaros Kandidat Celso Russomanno war dort gar nicht in die Stichwahl gekommen, weil er vor zwei Wochen in der ersten Wahlrunde auf Platz vier gelandet war - mit lediglich 10 Prozent der Stimmen.

Kommunalwahren am 16. November

Bereits bei der ersten Runde der Kommunalwahlen am 16. November hatte sich ein schlechtes Abschneiden von Bolsonaros Favoriten abgezeichnet.

Eine weitere Niederlage kassierte Bolsonaros Lager in der fünftgrößten Stadt Fortaleza. Dort gewann der wenig bekannte Mitte-Links-Kandidat Sarto Nogueira gegen den Wunschkandidaten des Präsidenten, Wagner Gomes, mit 51,5 zu 48,5 Prozent der Stimmen.

Gomes hatte vor der Wahl die Umfragen angeführt und oft auf Bolsonaros Rückhalt verwiesen. In den letzten Wahlkampftagen versuchte er aber, sich vom Präsidenten zu distanzieren. Auch in der Amazonas-Stadt Belem setzte sich ein linker Kandidat knapp gegen einen Bolsonaro-Favoriten durch. Edmilson Rodriguez wird dort zum dritten Mal Bürgermeister werden.

Fünf von Bolsonaro geführte Bürgermeister

Fünf von Bolsonaro geförderte Bürgermeisterkandidaten werden künftig in mittelgroßen Städten regieren. Zwei hatten bereits vor zwei Wochen die Mehrheit in den Städten Parnaiba und Ipatinga gewonnen. Die drei anderen setzten sich am Sonntag in den Stichwahlen in Rio Branco, Anapolis und São Gonçalo durch.

In São Paulo teilte der amtierende Bürgermeister und neuerliche Wahlsieger Covas gegen Bolsonaro und dessen Politikstil aus: „Es ist möglich, ohne Hass in der Politik zu sein.“ Mit Blick auf die politische Zukunft Brasiliens sagte Covas: „Es bleiben nur noch wenige Tage für Leugner und Obskurantismus.“

Letzterer Begriff meint eine Verdunkelung im Sinne des Versuches, Menschen in Unwissenheit zu halten. Covas spielte mit der Aussage möglicherweise auf seinen Hauptsponsor im Wahlkampf an, den aktuellen Gouverneur des Staates São Paulo, João Doria. Dieser gilt als potenzieller Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2022.

Der Wahlsieger in Rio de Janeiro, Eduardo Paes, bezeichnete seinen Erfolg als „Sieg der Politik über Radikalismus“. Bolsonaro dagegen reagierte vorerst nicht auf die Schlappen seiner Favoriten.

RND/AP