Die Corona-Pandemie hat zu einem gesellschaftlichen Großversuch mit dem Homeoffice geführt. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Warum die Homeoffice-Pauschale richtig, der Staat aber trotzdem kein Bankautomat ist

Berlin. Der Virologe Christian Drosten hat kürzlich von den niedrig hängenden Früchten gesprochen, die man im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie noch ernten solle. Er meinte damit: Prüfe sich jeder, was er noch zur Kontaktverringerung beitragen könnte. Als Beispiel nannte er dabei auch den zeitweisen Wechsel ins Homeoffice.

So gesehen ist es klug, die Arbeit im Homeoffice für die Zeit der Pandemie steuerlich attraktiver zu machen. Eine Steuerpauschale von fünf Euro pro Tag, höchstens jedoch 600 Euro im Jahr – das ist ein Vorschlag, der nicht nur leicht einprägsam, sondern auch überzeugend ist. Denn wer gerade jetzt im Winter von zu Hause aus arbeitet, muss mehr für das Heizen seiner Wohnung ausgeben. Auch Strom, Wasser und Internet verursachen Kosten.

Gleichzeitig geht es, wie so oft in diesem historischen Krisenjahr, um die Frage: Wie viel muss und kann der Staat leisten? Einige dringen darauf, die Homeoffice-Pauschale zusätzlich zum Arbeitnehmerpauschbetrag zu gewähren. Das würde riesige Kosten verursachen, weshalb Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hier bremst.

Scholz tut dies aus guten Gründen – genauso wie er vernünftigerweise darauf pocht, dass an ein und demselben Tag nicht Homeoffice- und Pendlerpauschale zugleich geltend gemacht werden. Die Regierung muss helfen, auch und gerade in Zeiten der Pandemie. Aber der Staat kann weder in Corona-Zeiten für jeden Verlust aufkommen noch hinterher jedes Problem lösen.

Auch die Verkäuferin finanziert die Homeoffice-Pauschale

Der Staat ist kein Bankautomat, von dem man einfach so, wie es einem gefällt, Geld abheben könnte – schon gar nicht ohne Limit. Der Staat sind wir alle. Es geht um das Geld, das jeder einzelne Steuerzahler aufbringt: darunter auch die Verkäuferin, der Pfleger oder die Gebäudereinigerin, die gar nicht zu Hause arbeiten und von einer Homeoffice-Pauschale profitieren können.

Die Koalition täte also gut daran, die Homeoffice-Pauschale für die Zeit der Pandemie zügig, aber auch in einer maßvollen Variante auf den Weg zu bringen. Die Idee ist übrigens so gut, dass sie auch für die Zeit nach Corona ein gutes Konzept wäre.

Abgesehen davon wäre es schön, wenn die große Koalition sich – trotz ihres Grundsatzstreits über ein Recht auf Homeoffice – aufraffen würde, endlich einige wichtige versicherungsrechtliche Fragen zu regeln. Ein Beispiel: Auf dem Arbeitsweg sind Menschen unfallversichert. Aber wer im Homeoffice arbeitet und sein Kind von dort zur Kita bringt, ist es nicht. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will das ändern – mit Recht.

Keine Frage: Heil hat sich bei seinem ursprünglichen Gesetzentwurf zum Homeoffice verzockt. Er war über den Koalitionsvertrag hinausgegangen, als er in seinem Gesetzentwurf einen Rechtsanspruch von 24 Tagen im Jahr festschreiben wollte. Mittlerweile hat Heil diese Forderung aber einkassiert und ist dem Koalitionspartner entgegengekommen. Jetzt ist die Union gefordert, sich zu bewegen und eine Einigung möglich zu machen.

Das Homeoffice und die Gerechtigkeitsfrage

Die Corona-Zeit war und ist zeitweise ein gesellschaftlicher Großversuch zum Homeoffice. Manche sind abgeschreckt von ihren Erfahrungen. Viele, die es ausprobiert haben, wollen aber auch nach der Pandemie zumindest zeitweise zu Hause arbeiten.

Die Soziologin Jutta Allmendinger hat darauf hingewiesen, dass sich viele gesellschaftliche Fragen damit verbinden: Wie wirkt sich Homeoffice auf die Geschlechtergerechtigkeit aus? Gibt es ein Gerechtigkeitsproblem zwischen denen, die sich ihren Arbeitsort aussuchen und denen, die das nicht können? Wie lässt sich Vereinsamung beim Trend zum Homeoffice vermeiden?

Unsere Arbeitswelt verändert sich gerade für immer. Deutschland hat die Debatte darüber gerade erst begonnen.

Von Tobias Peter/RND