Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verbietet die Neonazi-Gruppe „Sturmbrigade/Wolfsbrigade 44“. Quelle: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Seehofer verbietet „Sturmbrigade 44“ – was verbirgt sich hinter diesem Namen?

Berlin. Mit dem bundesweiten Verbot der „Sturmbrigade 44/Wolfsbrigade 44“ sind Polizeikräfte in mehreren Bundesländern gegen mutmaßliche Mitglieder der Neonazi-Kameradschaft vorgegangen. Schwerpunkte hat die verbotene Vereinigung unter anderem in Hessen und Sachsen-Anhalt.

Was genau steckt hinter der Gruppierung?

Sie habe sich „eigene Statuten mit klarer Rollenverteilung“ gegeben, berichtet Simone Rafael von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Dazu zählten „eine klare Hierarchie und ein strenger Verhaltenskodex“. Die „Sturmbrigade 44“ sehe sich in einer nationalsozialistischen Tradition und verwende auch nationalsozialistische Begriffe und Symbole.

Seehofer erklärte: „Eine Vereinigung, die Hass sät und für die Wiedererrichtung eines nationalsozialistischen Staates eintritt, hat in unserem Land keinen Platz. Wer die Grundwerte unserer freiheitlichen Gesellschaft bekämpft, bekommt die entschlossene Reaktion unseres Rechtsstaates zu spüren.“

In diesem Jahr hat Seehofer bereits mit „Combat 18“ und „Nordadler“ zwei rechtsextremistische Gruppen verboten sowie eine antisemitische „Reichsbürger“-Vereinigung.

Zusammengefunden haben die Mitglieder der Neonazi-Vereinigung wahrscheinlich auf Demonstrationen, so etwa in Chemnitz und Köthen 2018. Dort waren Aufnäher mit einem Totenkopfsymbol, dem Logo der Vereinigung, zu sehen.

Waffen und ein T-Shirt im Zug

Anfang 2018 war in einem Zug eine Tasche mit Waffen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Sturmbrigade 44 Köthen-Anhalt“ gefunden worden. Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens des Generalbundesanwalts wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung hatte es im Juli 2019 Durchsuchungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gegeben.

Die Zahl 44 im Namen der Neonazi-Gruppe steht als Code für den vierten Buchstaben im Alphabet – DD als Abkürzung für „Division Dirlewanger“ und bezieht sich auf Oskar Dirlewanger, einen als besonders sadistisch berüchtigten Kriegsverbrecher und Kommandeur einer Sondereinheit der Waffen-SS.

Die Gruppe war den Sicherheitsbehörden bereits länger bekannt. Zwischen 2017 und 2019 beschäftigte sich das gemeinsame Abwehrzentrum von Bund und Ländern zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus (GETZ-R) insgesamt sechsmal mit „Sturmbrigade“ und „Wolfsbrigade“. Auch die hessischen Behörden hatten sie bereits länger auf dem Schirm. Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte am Dienstag: „Dem Verbot und den heutigen Durchsuchungen gehen umfangreiche Maßnahmen unserer Sicherheitsbehörden voraus.“

Seit 2019 wird gegen sechs Verdächtige ermittelt

Seit 2019 ermittelt der Generalbundesanwalt gegen sechs Personen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, einer war den Verfassungsschützern bereits zuvor als Gefährder im Bereich Rechtsextremismus bekannt. Zwei mutmaßliche Mitglieder sitzen bereits im Gefängnis – jedenfalls wurden in Hessen auch zwei Haftzellen durchsucht.

Wie aktiv die Gruppe nach der Razzia und den Anklagen 2019 noch war, bewerten Rechtsextremismusexperten unterschiedlich. Ein mutmaßlicher Angehöriger aus Sachsen-Anhalt jedenfalls war bis vor Kurzem auf Facebook aktiv. Dort teilte er jetzt Verschwörungserzählungen zur Corona-Pandemie.

RND/dpa/jps