Spritzen und ein Mund-Nasen-Schutz. Quelle: imago images/photosteinmaurer.com

Trotz Corona-Ausbrüchen in US-Gefängnissen: Behörden wollen Inhaftierte nicht impfen

Washington. In den USA ist eine Kontroverse um Corona-Impfungen in Gefängnissen entbrannt. Behörden auf Bundesebene wollten zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Beschäftigten in den Haftanstalten gegen Covid-19 impfen, nicht aber die Millionen gefährdeten Inhaftierten, berichtete die „New York Times“ am Freitag (Ortszeit). In Gefängnissen habe es jedoch einige der größten Corona-Ausbrüche landesweit gegeben.

Ein Beratungsgremium der Gesundheitsbehörde CDC hatte Anfang Dezember eine Prioritätenliste vorgelegt. Demnach sollen die rund 20 Millionen Beschäftigten von Gesundheitseinrichtungen sowie Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen in der „Phase 1a“ vor allen anderen geimpft werden. Beschäftigte in Gefängnissen kämen mit anderen „essenziellen“ Arbeitern ebenfalls relativ früh zum Zug, nicht aber Häftlinge. Die Entscheidung über die Verteilung des Impfstoffes liegt bei den Bundesstaaten. Erste Impfungen werden in wenigen Wochen erwartet.

Laut Justizforschungsinstitut „Vera Institute of Justice“ in New York sehen gegenwärtig nur sechs der fünfzig Bundesstaaten eine zügige Impfung für Inhaftierte vor. Dabei gehörten die 2,3 Millionen Menschen hinter Gittern zu den gefährdetsten. Sie lebten beengt, könnten nicht Abstand halten und hätten wenig Zugang zu Hygieneprodukten.

Die Bundesstaaten gehen anscheinend unterschiedlich vor. In Connecticut sollen Inhaftierte so rasch geimpft werden wie Menschen in Pflegeheimen. In Gefängnissen könne sich das Virus so rasch verbreiten wie in den Heimen, sagte Gouverneur Ned Lamont. Sein Amtskollege in Colorado, Jared Polis, sagte jedoch laut der Zeitung „Denver Post“, Inhaftierte sollten keinen Impfstoff bekommen, „bevor er nicht an Menschen geht, die keine Verbrechen begangen haben“.

In US-Haftanstalten sind seit Beginn der Pandemie laut Fachdienst „Marshall Project“ mehr als 225.000 Corona-Infektionen und mehr als 1.500 Todesfälle bekannt. Die Sterblichkeitsrate sei wesentlich höher als die der Gesamtbevölkerung. Der Ärzteverband „American Medical Association“ hat sich für die vorrangige Impfung von Inhaftierten ausgesprochen.

RND/epd