Eine Querdenken-Demonstration in Schwerin. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Studie: Viele Linken- und Grünen-Wähler unter den Querdenkern

Berlin. Wenn im kommenden Jahr die nächste Bundestagswahl ansteht, wollen 30 Prozent der Querdenken-Anhänger ihre Stimme der AfD geben. Das geht aus einer Studie des Basler Soziologen Oliver Nachtwey und seiner Kollegen Nadine Frei und Robert Schäfer hervor, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Bei der vergangenen Wahl vor drei Jahren sah das Bild demnach allerdings noch ganz anders aus. Da „haben 21 Prozent die Grünen und 17 Prozent die Linke gewählt, der AfD haben 14 Prozent ihre Stimme gegeben“, sagt Nachtwey.

Die Basis der nicht repräsentativen Untersuchung sind Befragungen in Telegram-Gruppen der Querdenker. Nachtwey und seine Kollegen werteten 1150 Fragebögen aus, die sie an Mitglieder dieser Gruppen versandt hatten. Außerdem beruhen ihre Erkenntnisse auf Interviews von Demonstrations­teilnehmern und ethnografischen Beobachtungen im Rahmen unterschiedlicher Demos.

„Enorm widersprüchlich“

„Sozialstrukturell handelt es sich um eine relativ alte und relativ akademische Bewegung. Das Durchschnittsalter beträgt 47 Jahre, 31 Prozent haben Abitur, 34 Prozent einen Studienabschuss, der Anteil Selbstständiger ist deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung“, ergänzt Nachtwey. Er bezeichnet Querdenken als „eine Bewegung, die mehr von links kommt, aber stärker nach rechts geht, sie ist jedoch enorm widersprüchlich“.

Für die Grünen könnte sie zu einem Problem werden, mutmaßt er. „Die Professionalisierung der Grünen, ihre langjährige Regierungstätigkeit, hat auch dazu geführt, dass ein Teil des grünen Milieus sich von dieser Partei nicht mehr repräsentiert fühlt. Vor allem ist das der anthroposophisch-esoterische Teil des grünen Milieus, Menschen also, die der modernen Industriegesellschaft und der Wissenschafts­gläubigkeit kritisch gegenüberstehen“, sagt Nachtwey.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), Vorsitzender der Innenminister­konferenz, hatte jüngst gesagt, bei Demonstrationen der Querdenken-Bewegung gehöre im Schnitt etwa ein Drittel der Teilnehmer zur rechtsextremen Szene.

Laut dem Thüringer Verfassungs­schutz­präsidenten Stephan Kramer liegen inzwischen sogar hinreichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die bundesweite Bewegung als Verdachtsfall eingestuft werden könnte.

RND/tdi