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Gegen Hassan Diab, Ministerpräsident des Libanon (Archivbild), wurde im Zusammenhang mit der Explosion in Beirut im August Anklage erhoben. Quelle: Bilal Hussein/AP/dpa

Explosion in Beirut: Regierungschef lehnt Befragung als Beschuldigter ab

Beirut. Der kommissarische libanesische Ministerpräsident Hassan Diab hat eine weitere Befragung zum verheerenden Explosionsunglück von Beirut durch die Justiz abgelehnt. Das verlautete am Montag aus Kreisen, die mit dem Fall vertraut sind. Der Regierungschef habe der Staatsanwaltschaft bereits alle ihm bekannten Informationen genannt, hieß es.

Gegen Diab und drei frühere Minister des Kabinetts hatte die Justiz in der vergangenen Woche überraschend Anklage wegen Fahrlässigkeit erhoben. Bei der Explosion vom 4. August kamen mehr als 200 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt und weite Teile der libanesischen Hauptstadt beschädigt.

Diab: politische motivierte Beschuldigung

Die Explosion wurde von einer großen Menge Ammoniumnitrat ausgelöst, die sechs Jahre lang mit Wissen ranghoher Sicherheitsbeamter und Politiker im Hafen gelagert wurde. Die vier sollten in dieser Woche vom ermittelnden Richter Fadi Sawwan als Beschuldigte befragt werden, den Auftakt sollte am Montag Diab machen.

Eine Gewährsperson sagte, Diab werde Sawwan nicht treffen. Bei einer früheren Befragung galt Diab noch als Zeuge, nicht als Beschuldigter.

Diab hat die Vorwürfe als politisch motiviert zurückgewiesen. Sie zielten gegen das Amt des Ministerpräsidenten. Unterstützt wird er von den früheren Ministerpräsidenten des Landes, dem obersten sunnitischen Geistlichen und der schiitischen Hisbollah.

Die geeinte Front unterschiedlicher Akteure wurde von vielen Beobachtern als Versuch gewertet, einen Präzedenzfall abzuwehren, der dazu führen könnte, Verantwortliche auf höchster Ebene zur Rechenschaft zu ziehen.

Diab trat sechs Tage nach der Explosion zurück, führt das Amt aber übergangsweise weiter, da bislang keine Einigung über ein neues Kabinett erzielt wurde.

RND/AP