Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht unter Druck – der Impfstoff gegen das Coronavirus ist knapp. Quelle: imago images/Jens Schicke

Impfdosen auf dem Verschiebebahnhof

Bisher galt für politisch verfahrene Situationen: Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis. Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn, der lieber offensiv spielt, beruft bei akuter Ratlosigkeit schon mal eine Pressekonferenz ein. So bilanzierte er am Mittwochvormittag, der Impfstart sei insgesamt gelungen, während zeitgleich in den Ländern die Behörden vielfach vergeblich auf die Lieferung der Impfdosen warteten.

Bei genauem Hinschauen muss man feststellen, dass es weder an Logistik noch an Flexibilität der Behörden vor Ort mangelt. Der Impfstoff kann noch nicht massenweise verteilt werden, weil er schlicht nicht vorhanden ist. Es könnte in den 400 Impfzentren bundesweit deutlich mehr geimpft werden, als Dosen eintreffen.

Wachsende öffentliche Empörung

Mit der Ankündigung, nun doch schon Ende nächster Woche und nicht erst in der zweiten Januarwoche für Nachschub zu sorgen, hat das Gesundheits­ministerium keinen zusätzlichen Impfstoff herbeigezaubert. Vielmehr wurden die Lieferungen nur kreativ neu aufgeteilt. Ziel war es, die wachsende öffentliche Empörung der Verantwortlichen in den Ländern einzudämmen. Der Trick mit dem Verschiebebahnhof wird aber nur einmal funktionieren.

Für den Gesundheitsminister ist die nun begonnene Impfphase eine erneute Nagelprobe. Es muss ihm in den nächsten Wochen gelingen, die Produktions­kapazitäten für den Impfstoff spürbar zu erhöhen. Nur dann wird der große Erfolg der Firma Biontech, den ersten Impfstoff weltweit gegen das Coronavirus geschaffen zu haben, auch mit Spahn nach Hause gehen. Bleibt es bei der Verwaltung des Mangels und des zeitlichen Streckens von Lieferungen, wird sich am Gesundheitsminister viel Ärger entladen.

Pandemiebekämpfung im Wahlkampfjahr

Die Länder jedenfalls werden die Verantwortung beim Bund abladen. Einen Vorgeschmack gab es darauf schon am Mittwoch. In einem Jahr wie 2021 mit fünf Landtagswahlen, zwei Kommunalwahlen und einer Bundestagswahl geht es zudem immer um mehr als nur um eine pragmatische Problemlösung.

Von Eva Quadbeck/RND