Medizinisches Personal legt auf einer Intensivstation des RKH Klinikums Ludwigsburg einem Covid-19-Patienten einen Zugang für die künstliche Beatmung. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Lauterbach: Oft werden Covid-Patienten aus Pflegeheimen gar nicht erst in Kliniken gebracht

Berlin. An Covid-19 erkrankte Pflegeheimbewohner werden nach Aussagen von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach häufig nicht mehr in Krankenhäusern behandelt. „Wenn wir wie in der ersten Welle die Menschen aus den Pflegeeinrichtungen noch alle auf die Intensivstationen bringen würden, dann wären die Intensivstation schon längst überlaufen“, sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „maybrit illner“.

Selbst bei bester Intensivversorgung auf den modernen Intensivstationen seien die erkrankten Pflegeheimbewohner dort gestorben. Sie dort aufzunehmen, werde heute gar nicht mehr versucht. Vielmehr kämpfe man nun um die große Gruppe der Babyboomer mit Risikofaktoren. „Und das halten wir nicht mehr lange durch.“ Das seien sehr schwere Fälle.

Von den Menschen, die derzeit auf der Intensivstation um ihr Leben ringen würden, sei „traurigerweise“ selten noch jemand dabei, der aus dem Pflegeheim komme, sagte Lauterbach. „Diese Leute kommen meistens schon gar nicht mehr in die Intensivstation, sondern die sterben in den Pflegeeinrichtungen.“

Lauterbach: Ohne Verschärfungen geht es nicht

Das Alter auf den Intensivstationen sei gesunken, weil viele Ältere mittlerweile in den Pflegeheimen stürben. Das Durchschnittsalter in den großen Intensivstationen liege derzeit bei 60 Jahren. Darunter seien viele Jüngere, wobei sich Übergewicht immer stärker als Risikofaktor für schwerste Verläufe zeige.

Man befinde sich in einem Wettrennen, die jetzige Welle schnell genug in den Griff zu bekommen, bevor sich die neuen Virus-Mutationen stärker ausbreiten. Wenn das nicht gelinge, „dann kommen wir aus dem Lockdown so schnell gar nicht mehr raus“. Ohne Verschärfungen werde dies nicht gelingen.

RND/dpa