Norbert Röttgen (oben), Friedrich Merz (rechts) und Armin Laschet führen einen Dreikampf um den CDU-Parteivorsitz. Quelle: imago stock&people/Political-Moments/Eibner/photothek/iStock/RND Montage Behrens

Tag der Entscheidung: die CDU-Kandidaten im RND-Check

Dieses Brodeln, diese Nervosität, dieses letzte Einreden auf noch Unentschlossene, das Rauschen in der Halle, das Tuscheln auf den Gängen, das Feixen am Würstchenstand – das alles gibt es bei diesem Parteitag nicht. Höchstens ein Knistern in der Leitung. Denn die gesamte Kommunikation beim 33. CDU-Bundesparteitag am Freitagabend und Samstag funktioniert digital. Erstmals wird in Deutschland ein Parteitag samt Vorstandswahl komplett online veranstaltet.

Nur die Kandidaten, die Mitarbeiter und Techniker sind in der Berliner Messehalle. Fünf Kilometer Glasfaserkabel wurden verlegt, um 1001 Delegierte aus ihren Wohnzimmern dazu zu schalten. Wenn die Entscheidung zwischen Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen ohne Technikpanne und Hackerangriff über die Bühne geht, wird CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak drei Kreuze machen. Denn dann haben die Delegierten einen der drei Bewerber zum neuen Vorsitzenden via Smartphone, Laptop oder Tablet von zu Hause aus digital gewählt.

Das ist wirklich Neuland. Dann fehlt nur noch die Absicherung des Ergebnisses per Briefwahl, die am 22. Januar ausgezählt wird. Stimmzettel wie früher.

Analoge Post aus der alten Welt.

Ein Blick auf die drei Kandidaten, die zwar alle drei Juristen und katholisch und Nordrhein-Westfalen sind, aber sehr unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Und dann sind da noch ihre Schwerpunkte, die sie in ihren Schlussstatements der letzten gemeinsamen TV-Runde den Wählern als Ziele versprachen. Da liegen sie gar nicht so weit auseinander. Folgend die Kandidaten im Porträt:

Armin Laschet

Der Regierungschef

Armin Laschet hat seinen beiden Gegnern eines voraus: ein politisches Amt. Er gilt als geräuschloser Brückenbauer. Und Laschet vertritt den Kurs der Mitte von Angela Merkel, an deren Seite er auch in der Flüchtlingskrise stand, als andere CDU-Politiker den Stab über die Kanzlerin brachen.

Wer den NRW-Landeschef offen unterstützt, warum sein Plus auch sein Manko ist und welche Schwerpunkte er als CDU-Chef setzen würde, lesen Sie im Porträt „Armin Laschet: der Regierungschef“.

Friedrich Merz

Der ewige Polarisierer

Niemand polarisiert so wie der 65-Jährige. Friedrich Merz ist der Liebling der Konservativen. Er zehrt von seinem Image als Wirtschaftsexperte – begründet auf jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater und in Aufsichtsräten, und auf seinem 2003 vorgestellten sogenannten „Bierdeckelkonzept“ zur Vereinfachung des Steuersystems.

Warum er und Merkel sich nicht grün sind und viele Merz als Vertreter einer altmodischen CDU sehen, lesen Sie im Porträt „Friedrich Merz: der ewige Polarisierer“.

Norbert Röttgen

Der Außenseiter

Er hat alle überrascht: Norbert Röttgen. Seine Kandidatur hatte eigentlich niemand auf dem Zettel. Ein Sinnbild für seinen bisherigen Werdegang. Der 55-Jährige gilt als Einzelgänger, hoch intelligent, beredt und belesen, aber wenig teamorientiert und zuweilen etwas abgehoben. Hier hat der Außenpolitikexperte mittlerweile gegengesteuert.

Warum dem Außenseiter Röttgen mittlerweile Chancen eingeräumt werden, und was ihm bis heute nachgetragen wird, lesen Sie im Porträt „Norbert Röttgen: Außenseiter, Diplomat, Steigbügelhalter?“.

Die letzten Umfragen vor der Wahl

Der Großteil der Deutschen hält einer Umfrage zufolge keinen der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz für kanzlertauglich. Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-„Politbarometer“ sehen weniger als ein Drittel aller Befragten eine Eignung von Norbert Röttgen, Friedrich Merz oder Armin Laschet für das Kanzleramt.

Den Außenpolitiker Röttgen und den Ex-Unionsfraktionschef Merz halten demnach nur 29 Prozent für geeignet, der NRW-Ministerpräsident Laschet ist für 28 Prozent der Umfrageteilnehmer kanzlerfähig. Selbst die Anhänger der Union haben laut der Umfrage ihre Zweifel, ob einer der drei Männer für das Amt die richtige Wahl ist.

Es bleibt also spannend.

Von Daniela Vates, Kristina Dunz/RND