Armin Laschet. Quelle: Getty Images

Armin Laschet: der Regierungschef

Berlin. Armin Laschet hat seinen Gegnern am CDU-Parteitag eines voraus: Der bald 60-Jährige ist der einzige Kandidat in Regierungs­verantwortung. Als Ministerpräsident sitzt er auch bei nationalen Verhandlungen wie über den Kohleausstieg mit am Tisch. Ferner hat er anders als Merz und Röttgen schon einmal eine Wahl gewonnen – wenngleich das Ergebnis der Landtagswahl in NRW 2017 oft so beschrieben wird: Nicht die CDU habe wirklich gesiegt, sondern die SPD von Hannelore Kraft habe die Wahl verloren.

Laschet regiert seither mit der FDP mit der Mehrheit von nur einem Landtagsmandat – aber geräuschlos. Die Koalition hält gut zusammen, das konsequente Vorgehen von Innenminister Herbert Reul (CDU) gegen Clankriminalität wird bundesweit gelobt und Laschet selbst gilt als Brückenbauer. So schaffte er es, ausgerechnet mit Jens Spahn ein Tandem im Kampf um den CDU-Vorsitz zu bilden, obwohl der Bundesgesundheits­minister gern selbst angetreten wäre. Und Laschet vertritt den Kurs der Mitte von Angela Merkel, an deren Seite er auch in der Flüchtlingskrise stand, als andere CDU-Politiker den Stab über die Kanzlerin brachen.

Anhänger, die die CDU wegen Merkel wählen, könnte Laschet am ehesten erreichen. Unterstützt wird er offen von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, dessen Stimme Gewicht in der Partei hat. Und vom Arbeitnehmerflügel Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA). Laschet verkörpert von den drei Kandidaten aus NRW am ehesten die rheinische Fröhlichkeit, die ihn nahbar wirken lässt.

Laschets Schwerpunkte kurz und knapp

„Maß und Mitte“ Modernisierung des Landes Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen

Die Schwächen von Armin Laschet

Sein großes Plus – die Arbeit als Regierungschef – wendet sich mitunter aber auch gegen ihn: Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie setzte er anfangs auf einen lockereren Kurs als Kanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Zuweilen sah es so aus, als ginge es ihm vor allem um eine Abgrenzung von Söder. Mit seiner ernsthaften Sorge um die Folgen der Grundrechts­einschränkungen drang er jedenfalls erst später durch – und dann musste er angesichts des Infektionsgeschehens schon wieder eine härtere Gangart wählen, was ihm den Vorwurf eines Zickzackkurses eintrug.

Söder schoss mit der strikten Merkel-Linie in den Umfragen nach oben, Laschet blieb weit darunter. Der gebürtige Aachener erscheint auch nicht immer ganz bei der Sache, um die er sich gerade kümmern muss. Wie etwa sein Malheur als Lehrbeauftragter im Nebenjob vor einigen Jahren zeigte, als Prüfungsunterlagen seiner Studenten verloren gingen. Das flog erst auf, als Laschet Ersatznoten vergab – auch an jene, die die Klausur gar nicht mitgeschrieben hatten.

In der ersten TV-Runde mit Röttgen und Merz tippte Laschet auf seinem Handy herum und vermittelte den Eindruck, die Runde nicht richtig ernst zu nehmen. In der Außenpolitik ist der Landespolitiker, ehemalige Integrationsminister und frühere Europaabgeordnete weniger in Erscheinung getreten als seine beiden Konkurrenten.

Von Kristina Dunz, Daniela Vates/RND