Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede auf dem digitalen CDU-Parteitag. Quelle: Getty Images

Merkels Empfehlung: Das Votum der Kanzlerin ist Laschets Vorteil

Berlin. Der CDU-Parteitag endet nicht mit einer Überraschung – er beginnt mit einer. Und für die sorgt Angela Merkel. Nur ein paar Stunden vor der Entscheidung über den neuen Parteivorsitzenden hat sie ihren Favoriten empfohlen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet geht nun als Kandidat der Kanzlerin ins Rennen. Das wird diejenigen nicht für ihn einnehmen, die Merkel schon lange loswerden wollen – aber die dürften sich ohnehin nicht im Laschet-Lager befunden haben.

Wenn aber die nach wie vor beliebteste Politikerin, die der CDU zudem über Jahre hinweg gute Mehrheiten garantiert hat, klarmacht, wem sie das künftig zutraut, dürfte das einige der Unentschlossenen und Zweifler den letzten Schubs geben. Und das kann in einem Rennen, das ganz offensichtlich knapp ist, entscheidend sein. Aus derselben Überlegung heraus hat sich vermutlich kurz vor Merkel Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble für Friedrich Merz ausgesprochen.

Merkel gibt Zurückhaltung überraschend auf

Merkels Präferenz ist nicht erstaunlich. Laschet gilt als einer ihrer treuesten Unterstützer. Mit Friedrich Merz verbindet sie gegenseitige Abneigung – daran dürften auch dessen jüngste Beteuerungen nichts geändert haben, dass Merkel doch eine gute Kanzlerin sei. Und Norbert Röttgen hat Merkel einst aus dem Kabinett geschmissen.

Überraschend allerdings ist, dass Merkel ihre Zurückhaltung aufgegeben hat, die sie im Parteivorsitz-Wettbewerb über Monate hinweg eingehalten hat. Die CDU müsse ihren Nachfolger selbstständig bestimmen, so hatte sie das erklärt.

Auch jetzt ist sie vorsichtig geblieben: Sie hat nicht Laschets Namen in den virtuellen Raum des digitalen CDU-Parteitags gerufen, sondern sich für die Wahl eines Teams ausgesprochen. Als Team aber tritt in diesem Rennen nur Laschet an, gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn.

Bei der letzten Gelegenheit, das Ende ihrer eigenen Amtszeit mitzubestimmen, hat Merkel also zugegriffen. Man kann nicht sagen, dass es ihr egal ist, wie es weitergeht.

Von Daniela Vates/RND