Die noch amtierende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Warum Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin gescheitert ist

Berlin. Als CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am 10. Februar 2020 kurz nach dem Debakel um die Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen ihren Rückzug vom Parteivorsitz erklärt und auch alle Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur aufgibt, war sie gerade mal ein gutes Jahr an der Spitze der CDU. Dass es für sie ein langer Abschied wird, wusste zu dem Zeitpunkt noch niemand. Corona galt vor allem als Problem der Chinesen.

Ihr Rückzug kam selbst für Vertraute zu diesem frühen Zeitpunkt überraschend. Aber Kramp-Karrenbauer hatte für sich analysiert, dass sie keine Chance mehr auf eine erfolgreiche Kanzlerkandidatur hat. Und ganz offensichtlich war es ihr wichtig, selbst die Entscheidung zu treffen, aus dem Rennen zu gehen, bevor andere sie rausnehmen.

Eine Reihe von eigenen Fehlern

Ausgebremst war sie allerdings schon. Für das Scheitern der Parteichefin, die mit viel Schwung angetreten war, Kanzlerin Angela Merkel zu beerben, gibt es einen ganzen Strauß an Gründen, warum sie sich nicht halten konnte.

An erster Stelle müssen ihre eigenen Fehler und vor allem der Umgang damit genannt werden. Beispiel: Der verunglückte Karnevalswitz über geschlechtsneutrale Toiletten. Sie hätte ihr Bedauern äußern können. Hat sie aber nicht. Im Gegenteil: Bei einem nächsten Auftritt beklagte sie Humorlosigkeit der Nation. Beispiel: Rezo. Das Anti-CDU-Video des Youtubers im Europa-Wahlkampf hätte einer schnellen und originellen Antwort bedurft. Die kam aber nicht.

Nun hat Merkel in der Phase, als sie auf ihre erste Kanzlerkandidatur zusteuerte, auch viele Fehler gemacht, insbesondere kommunikative. Wenn es damals schon soziale Netzwerke gegeben hätte, in denen jeder Fehltritt eine Riesenwelle auslöst, hätte es möglicherweise auch für Merkel anders ausgehen können.

Aus der Partei gab es keine Rückendeckung mehr

Wer im Rampenlicht steht und Fehler macht, braucht Rückendeckung. Diese aber hat Kramp-Karrenbauer nicht bekommen. Aus der Riege der Parteivizes hat sie keiner verteidigt. Im Gegenteil: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der nun selbst Parteichef und Kanzlerkandidat werden möchte, hat den Kritikern der CDU-Chefin oft genug noch Wasser auf die Mühlen gegeben.

Ein strategischer Fehler war es, dass Kramp-Karrenbauer, die vor allem aus der Mitte der Partei und vom linken Flügel ins Amt gewählt worden war, sich zu sehr um die Konservativen bemüht hat. Die Konservativen sind am Ende bei Friedrich Merz geblieben. Die Liberalen in der Partei aber haben ihr ihre Positionierung zum Beispiel in der Migrationspolitik übel genommen.

Differenzen mit Merkel

Die Migrationspolitik ist der Dreh- und Angelpunkt, warum auch die Kanzlerin, deren Wunschnachfolgerin Kramp-Karrenbauer war, die CDU-Chefin am Ende hat im Regen stehen lassen. Kramp-Karrenbauer hatte in einem Interview erklärt, im Notfall könne man Grenzschließungen nicht ausschließen. Doch eben das Gebot, die deutschen Grenzen auch bei noch so großem Andrang von Flüchtlingen nicht dichtzumachen, hätte Merkel in der Flüchtlingskrise beinahe das Amt gekostet.

Schließlich braucht ein Kanzlerkandidat der CDU gute persönliche Umfragewerte in der Bevölkerung. Kramp-Karrenbauer war mit passablen Werten gestartet. Nach ihrer Wahl zur Parteichefin gingen sie für die CDU insgesamt sogar leicht nach oben. Dann begann die Serie aus Fehlern und Pannen und ihre Beliebtheitswerte gerieten in den freien Fall.

Von Kristina Dunz, Eva Quadbeck/RND