Armin Laschet bei seiner Rede auf dem CDU-Parteitag. Quelle: imago images/sepp spiegl

Laschet gewinnt Wahl um CDU-Vorsitz

Berlin. Die CDU will zum Ende der Ära Merkel einen Neuanfang mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet als künftigem Parteivorsitzenden und möglichem Kanzlerkandidaten machen. Der 59-Jährige erhielt bei einem digitalen Parteitag am Samstag in einer Stichwahl gegen den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz 521 Stimmen. Das Ergebnis wird nun noch per Briefwahl abgesichert.

Das endgültige Votum soll am 22. Februar vorliegen. Merz kam auf 466 Stimmen. Er wünschte Laschet viel Erfolg. Im ersten Wahlgang war der Außenexperte Norbert Röttgen ausgeschieden. Der 55-Jährige will der Partei weiter an herausgehobener Stelle zur Verfügung stehen. Er sicherte Laschet volle Unterstützung zu.

Laschet will dafür sorgen, „dass die Union den nächsten Kanzler stellt“

Laschet selbst dankte seiner Partei für das große Vertrauen. „Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die mit diesem Amt verbunden ist“, sagte er. Nun gehe es darum, dass die CDU zunächst die anstehenden Landtagswahlen in „wenigen Wochen“ gut bestehe. Zudem wolle er bei der Bundestagswahl dafür sorgen, „dass die Union den nächsten Kanzler stellt“.

Laschet dankte auch seinen beiden Mitbewerbern um den Parteivorsitz, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Außenpolitiker Norbert Röttgen, für den fairen Wahlkampf in den vergangenen zehn Monaten. Ein so langer Wettbewerb berge immer die Gefahr, dass Aggression, Gereiztheit und kleine Spitzen zunehmen. An die Adresse von Merz betonte er, dass er auch in Zukunft viel zusammen machen wolle. Er habe mit ihm verabredet, “dass wir beide, die wir uns beide wertschätzen schon seit langen, langen Jahren, noch einmal gemeinsam überlegen, wie auch sein Beitrag für unsere Partei aussehen kann”, sagte Laschet in seinem Schlusswort zum digitalen CDU-Parteitag am Samstag. “Es ist für uns eine wichtige Persönlichkeit. Und unabhängig von den Personen müssen wir die Themen, die er uns ins Stammbuch schreibt, jetzt noch intensiver bearbeiten.”

Der zweite unterlegene Kandidat Norbert Röttgen hatte sich beim Parteitag ins Präsidium der CDU wählen lassen. Merz kandidierte dafür nicht.

Laschet rief die Union zu Geschlossenheit nach der Vorsitzendenwahl auf - gerade auch mit Blick auf der Superwahljahr. “Alle werden gegen uns sein, SPD, Grüne und Linke.” Von der anderen Seite komme aggressiv die AfD. “Und auch die FDP wird nicht das Hauptziel haben, dass der nächste Kanzler wieder von der CDU gestellt wird”, sagte Laschet. “Deshalb müssen wir uns jetzt gegen alle die zusammentun.” Laschet rief die Delegierten auf, die Online-Wahlen zur rechtlichen Klarheit nun noch per Briefwahl zu bestätigen. “Und dann geht der Kampf los und darauf freue ich mich.”

Erstmals seit 21 Jahren führt damit nach Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer wieder ein Mann die Partei. Er ist der neunte Vorsitzende in der Parteigeschichte. Kramp-Karrenbauer hatte die Parteiführung Ende 2018 übernommen. Merkel war gut 18 Jahre Parteichefin.

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Laschet gilt als Brückenbauer

Laschet wird zugetraut, die Partei nach der Kampfkandidatur gegen den konservativen Wirtschaftspolitiker Merz wieder versöhnen zu können. Er gilt als Brückenbauer. Für seine Kandidatur zum Parteivorsitz hatte er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in sein Team geholt und sich so die Unterstützung des ehrgeizigen 40-Jährigen gesichert, der 2018 noch selbst für den Vorsitz kandidiert hatte.

Kramp-Karrenbauer war es nicht gelungen, die unterschiedlichen Strömungen rechts und links der Mitte der Partei zu einen. Für die Kanzlerkandidatur fehlte ihr die Autorität. Ob Laschet Merkels Erbe auch als Kanzlerkandidat antritt, ist offen. CSU-Chef Markus Söder hatte noch in einem Grußwort an den Parteitag am Freitagabend die Debatte um mögliche eigene Ambitionen neu angefacht – wenn auch in humorvoller Weise. In den Umfragen liegt Söder deutlich vor Laschet in der Frage der Kanzlerkandidatur. Ebenso allerdings auch Jens Spahn. Es wird erwartet, dass die Klärung für die CDU noch aufreibend wird.

Wer die Kanzlerkandidatur der Union übernimmt, entscheiden die Vorsitzenden der Schwesterparteien gemeinsam. In der Geschichte der Bundesrepublik war erst zweimal ein CSU-Chef Kanzlerkandidat – beide Male erfolglos.

RND/dpa

Von Kristina Dunz/RND