Armin Laschet Quelle: imago images/osnapix

Mit Laschet als neuem Parteichef ist der Machtkampf in der CDU nicht beendet

Die CDU hat sich mit für ein Weiter-so entschieden. Das Wahlergebnis zeigt aber auch: Am Ende der Ära Merkel sind die Christdemokraten tief gespalten. Die Kanzlerkandidatur entscheidet sich nun zwischen Laschet und dem bayerischen Ministerpräsidenten Söder.

Berlin. Die CDU hat sich mit der Wahl von zum neuen Parteichef für eine Fortsetzung der Mitte-Politik im Stil Angela Merkels entschieden. Von den drei Kandidaten steht Laschet der Kanzlerin inhaltlich und kulturell am nächsten.

Das Ergebnis ist eindeutig: Laschet hat gewonnen, aber die CDU ist am Ende der Ära Merkel in zwei Lager geteilt. Die Laschet-Anhänger haben für ein Weiter-so gestimmt. Die Befürworter von Friedrich Merz wünschen sich hingegen mehr CDU pur, eine wirtschaftsfreundlichere Politik, eine konservative Verortung, keine Übernahme mehr von Positionen der SPD und der Grünen. Dieses Lager wird Laschet nur einbinden können, wenn er Friedrich Merz in sein Team holen kann. Merz’ erstes Signal, in dem er der CDU „alles Gute“ wünschte, spricht nicht dafür, dass eine Zusammenarbeit gelingt.

Laschet muss aber für sein nächstes Ziel, die Kanzlerkandidatur, die zahlreichen Merz-Fans mitnehmen. Ansonsten droht in den kommenden Wochen an der Basis eine Bewegung, die sich für CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidat starkmacht. Zwei Argumente sprechen in der aktuellen Lage für Söder: Er wäre der Kompromisskandidat für die gespaltene Partei. Zudem sind Söders Umfragewerte in der Bevölkerung deutlich besser als Laschets.

Laschet ist ein beharrlicher Mann

Wer Laschet kennt, weiß, dass er seinen Anspruch als CDU-Chef auf die Kanzlerkandidatur nicht kampflos aufgeben wird. Wer ihn kennt, weiß auch, dass er ein beharrlicher Mann ist mit dem Talent, gegensätzliche Positionen zu vereinen. Er wird alles in die Waagschale werfen, um für die CDU als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf zu ziehen.

Für SPD und Grüne ist Laschet im Vergleich zu Merz der unangenehmere Gegner im Bundestagswahlkampf. Beide Parteien haben sich bereits darauf vorbereitet, mit ihrem Wahlkampf auf die politische Mitte zu zielen. Die Grünen programmatisch und die SPD mit Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten. Mit Merz wäre es für die politische Konkurrenz von links viel leichter gewesen, jene Wählerinnen und Wähler einzusammeln, die bisher wegen Merkel ihr Kreuz bei der CDU gemacht haben.

Klar ist nun, dass sich die Kanzlerkandidatur der Union zwischen Laschet und Söder entscheiden wird. Der CSU-Chef hat längst das Image des Scharfmachers von rechts abgestreift. Und erstaunlicherweise ist es ihm auch gelungen, es vergessen zu machen. Die vergangenen zwei Jahre hat er geschickt genutzt, in der politischen Mitte anschlussfähig zu werden. Damit ist er der erste CSU-Vorsitzende, der tatsächlich auch die Chance hätte, eine Bundestagswahl für die Union zu gewinnen.

Wer kann das Vakuum füllen, das Merkel hinterlässt?

Noch muss die CDU ein paar Tage die Luft anhalten. Die 1001 Delegierten, die sich mehrheitlich für Laschet entschieden haben, müssen das Ergebnis noch schriftlich bestätigen. Und dann wird die Union ausdiskutieren müssen, wem sie am ehesten zutraut, das Vakuum zu füllen, das Merkel nach 16 Regierungsjahren hinterlassen wird.

 

 

 

 

Von Eva Quadbeck/RND