Bei der Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitzenden erhielt Jens Spahn ein mageres Ergebnis. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Unmut über Spahn-Auftritt bei CDU-Parteitag: „Das haben viele als Foul gesehen“

Berlin. Mit einem Überraschungscoup beim CDU-Parteitag hat Gesundheitsminister Jens Spahn den Unmut vieler Parteifreunde auf sich gezogen. In der Fragerunde zwischen den Reden der Kandidaten für den CDU-Vorsitz und der Wahl klinkte Spahn sich mit einer Videobotschaft ein. Er stellte aber keine Frage, sondern gab – wie er selbst formulierte – „eine Antwort”. Und diese war eine nachdrückliche Empfehlung, Armin Laschet zu wählen.

Ob und wie Spahns Intervention Laschets Wahlergebnis beeinflusst hat, lässt sich nicht beurteilen. Teile der Partei aber schienen Spahns Auftritt zu missbilligen. Bei der Wahl der stellvertretenden Parteivorsitzenden erhielt der Gesundheitsminister, der sich im Pandemiejahr viel öffentliche Anerkennung erarbeitet hat, mit 589 Stimmen das schwächste Ergebnis in der Vizeriege.

Spahn wirbt für Laschet: „Das haben viele als Foul gesehen“

Das sei „nicht gut angekommen”, heißt es an vielen Stellen in der Partei über Spahns Auftritt. Von einer „plumpen Fürsprache” für Laschet sprechen manche – in einem Parteitagsteil, in dem eigentlich Fragen an die Vorsitzkandidaten vorgesehen waren. „Das haben viele als Foul gesehen”, sagt ein anderer.

Andere wiederum verweisen darauf, dass die Merz-Anhänger ohnehin Spahn nicht gewählt hätten. Das Verhältnis zwischen Spahn und Merz soll auch in den vergangenen Monaten sehr angespannt gewesen sein. Spahn seinerseits lässt sich kein Bedauern und keine Enttäuschung anmerken. „Ich freue mich”, sagt er zur Wahl Laschets. „Jetzt heißt es, zusammenzustehen und zusammenzuhalten.”

CDU-Parteitag: Laschet nimmt Spahn in Schutz

Nur in einem Statement sendet er einen versteckten Hinweis zu seinem umstrittenen Auftritt. Er freue sich darauf, wenn Parteitage wieder als richtige Versammlungen stattfinden könnten statt digital. „Dann schaffen wir auch wieder Aussprachen, nicht nur Fragerunden”, sagte Spahn. Es ist vielleicht eine Art Erklärungsversuch: In den auf Parteitagen üblichen klassischen Aussprachen sind Stellungnahmen wie die von Spahn, der keine Frage stellte, sondern einen Werbeblock für Armin Laschet abspulte, durchaus üblich.

Laschet nahm Spahn in seinen Abschlussworten zum Parteitag indirekt in Schutz, indem er diesem ausführlich für seine Unterstützung dankte.

Von Eva Quadbeck, Daniela Vates/RND