Eine Wahl und ein vergiftetes Angebot später steht die CDU wieder vor der Zerreißprobe. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Die CDU fällt auseinander

Berlin. Die CDU hat sich mit der Wahl von Armin Laschet als neuem Parteichef mehrheitlich für eine Fortsetzung des Kurses der Mitte ausgesprochen. Am Ende der Ära Merkel sehnt sich die Partei nach einem Weiter-so. Es wird aber nicht einfach so weitergehen.

Das Ergebnis war knapp, und in den Stunden nach der Entscheidung trat zutage, dass die CDU eine tief gespaltene Partei ist. Auf der einen Seite stehen die nun siegreichen Merkelianer mit hoher Kompromissbereitschaft auch für Positionen von SPD und Grünen.

Auf der anderen Seite finden sich die enttäuschten Merz-Anhänger, denen die Kanzlerin immer zu wenig CDU pur geliefert hat, zu unentschlossen auftrat, zu bereitwillig konservative Positionen räumte, in der Wirtschaftspolitik zu wenig Ehrgeiz zeigte und in der Flüchtlingspolitik viel zu großzügig war.

Auch am Ende der Ära Kohl flog die CDU auseinander

Am Tag nach seiner Wahl blickt der neue Vorsitzende auf eine Partei, die zwar in den Umfragen noch glänzend dasteht, in Wahrheit aber gerade auseinanderfällt. Am Ende einer Ära, in der sich die politische Macht in den Händen einer Person konzentriert hat, ist das keine Überraschung. Am Ende der Ära Kohl flog die CDU – auch unter dem Druck der Spendenaffäre – komplett auseinander.

Die Voraussetzungen sind im Jahr 2021 andere. Der politisch emotionale Druck im Kessel ist aber ähnlich groß. Jene, die den Merkel-Kurs fast 16 Jahre lang nur mit der Faust in der Tasche mitgegangen sind, wollen nun Veränderung. Das ist eine starke Minderheit in der Partei.

Die CDU ist eine Machtmaschine. Sie ist die einzige verbliebene Volkspartei in Deutschland. Ohne sie kann – derzeit – keine Regierung gebildet werden. So erfolgreich die Bilanz nach außen ist, so schlecht ist der innere Zustand.

Angefangen bei der Kanzlerin: Angela Merkel hat nicht die Größe besessen, sich bei ihrer einstigen Wunschnachfolgerin Kramp-Karrenbauer zu bedanken. Keine Silbe. Das ist nicht nur stillos. Das ist brutal, weil die Öffentlichkeit ein solches Schweigen wie einen Donnerschlag hört.

Die Enttäuschung über Merz ist enorm

Dann der Flügel, dem man wahlweise die Zuschreibung Wirtschaft, konservativ oder Merz geben kann. Er war unterlegen und wird es bleiben. Denn Merz hat sich mit seiner Forderung nach dem Wirtschaftsministerium nicht nur als schlechter Verlierer erwiesen, er ist auch unfähig, seinen Anhängern mehr als eine Stimme zu geben.

Seine markigen Worte mit gleichzeitiger Abstinenz in den Parteigremien haben bisher nicht dazu geführt, dass er seinen Anhängern auch inhaltlich Einfluss verschafft hätte. Die Enttäuschung über Merz in seinem eigenen Lager ist enorm. Der Frust wiederum wird sich in Störmanövern gegen die Mitte der Partei entladen. In einem Superwahljahr ist das eine Hypothek für die CDU.

Zu den Siegern: Wackelkandidat Laschet hat die Rede seines Lebens gehalten und sich damit an die Spitze der Partei katapultiert. Ob er auch auf die Kanzlerkandidatur zugreifen kann, hängt von drei Faktoren ab: seine eigenen Umfragewerte, die Geschlossenheit der CDU und der Ausgang der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Söder könnte Kanzlerkandidat werden

Der wichtigste Faktor ist die Geschlossenheit der Partei. Wenn es Laschet gelingt, das Merz-Lager hinter sich zu bringen, kann und wird ihm niemand die Kanzlerkandidatur streitig machen. Bleibt die derzeit bestehende Unruhe in der Partei, dann wird die Kanzlerkandidatur auf CSU-Chef Markus Söder hinauslaufen.

Für SPD und Grüne, die Hauptkonkurrenten der Union im Wahlkampf, wäre Laschet der schwierigste Gegner. Inhaltlich tickt er ähnlich wie Merkel. Dass er mit Grünen, SPD und FDP eine Koalition führen könnte, spricht ihm auch niemand ab.

Von Eva Quadbeck/RND