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Alexej Nawalny bei seiner Ankunft in Moskau Quelle: -/AP/dpa

Alexej Nawalny nach Ankunft in Moskau festgenommen

Moskau. Der Kremlgegner Alexej Nawalny ist nach seiner Landung in Moskau noch am Flughafen festgenommen worden. Der 44-Jährige sei an der Passkontrolle abgeführt worden, meldete der Telegram-Kanal des Oppositionellen am Sonntag. Russlands Strafvollzug hatte ihn zur Fahndung ausgeschrieben, weil er während seines Aufenthaltes in Deutschland gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll.

Nawalny sei zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, teilte der Strafvollzug am Sonntag mit. Bis zur Entscheidung des Gerichts bleibe er in Untersuchungshaft. Der Kremlkritiker soll während seines Aufenthalts in Deutschland, wo er sich von dem in Russland verübten Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben.

Der Strafvollzug will deshalb die Bewährungs- in eine echte Haftstrafe umwandeln lassen. Nawalnys Team spricht von einer politischen Inszenierung, um den prominenten Gegner von Präsident Wladimir Putin mundtot zu machen. Der Gerichtsprozess ist am 29. Januar geplant.

Nawalnys Flugzeug wurde umgeleitet

Das Flugzeug der russischen Gesellschaft Pobeda landete am Abend mit Verspätung in Moskau. Die Maschine wurde umgeleitet und landete auf dem Airport Scheremetjewo statt auf dem Flughafen Wnukowo.

Nawalny hatte sich in Deutschland über Monate hinweg von einem Nervengiftanschlag erholt, für den er den Kreml verantwortlich gemacht hat. Der wiederum hat das mehrfach zurückgewiesen. Der 44-Jährige wurde unter anderen von seiner Ehefrau Julia Nawalnaja und seinen Mitarbeitern begleitet, wie auf einen Foto in den sozialen Netzwerken zu sehen war.

Schon Stunden vor der Abreise hatten Russlands Behörden das Sicherheitsaufgebot auf dem Flughafen Wnukowo verschärft. Zahlreiche Anhänger des Oppositionsführers berichteten von „präventiven Festnahmen“. In sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Kräfte der Anti-Terror-Polizei Omon schon am Vorabend am Flughafen mit Gefangenentransportern Stellung bezogen.

Behörden hatten mit Festnahme gedroht

Die Behörden hatten zuvor vor unerlaubten Demonstrationen gewarnt und mit Konsequenzen gedroht. Der prominenteste Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin hatte seine Anhänger aufgerufen, ihn in Moskau zu treffen. Ihm droht ebenfalls die Festnahme, weil er in einem früheren Strafverfahren gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll.

Alexej Nawalny vergiftet: Kreml kritisiert deutsche Antworten zum Fall

Russland hat die Antworten der deutschen Justiz auf Rechtshilfegesuchen zum Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny als nicht hilfreich kritisiert. „Ich habe die Schlagzeilen gesehen, dass Deutschland auf alle Fragen Russlands geantwortet habe“, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Sonntag im Staatsfernsehen. „Das Problem ist, dass sie (die Antwort) wie immer nichts Wesentliches zu den gestellten Fragen enthielt.“

Das Bundesamt für Justiz hatte zuvor erklärt, vier russische Rechtshilfeersuchen zum Anschlag auf Nawalny beantwortet zu haben, kurz bevor sich der Oppositionelle am Sonntag auf den Rückweg nach Moskau machte. Unter anderem seien Protokolle einer Vernehmung Nawalnys durch die Berliner Staatsanwaltschaft übermittelt worden, teilte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums mit.

„Die Bundesregierung geht davon aus, dass die russische Regierung nun umgehend alle nötigen Schritte zur Aufklärung des Verbrechens gegen Herrn Nawalny einleitet. Dieses Verbrechen muss in Russland aufgeklärt werden.“ Auch Nawalny forderte immer wieder Ermittlungen in dem Fall. Allerdings bestreitet Russland, dass es eine Vergiftung oder ein Verbrechen gegeben habe.

RND/pach/dpa/AP