Polizisten halten am Terminal des Flughafens Moskau-Wnukowo einen Mann fest, der auf die Ankunft des Oppositionsführers Nawalny gewartet hatte. Quelle: Dmitry Serebryakov/AP/dpa

Nach der Verhaftung in Moskau: „Lassen Sie Nawalny sofort frei!“

Berlin/Moskau. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Festnahme des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny als unrechtmäßig angeprangert. Die Inhaftierung des 44-Jährigen gleich nach seiner Ankunft in Moskau sei ein weiterer Beleg dafür, dass die russischen Behörden ihn zum Schweigen bringen wollten, hieß es am Sonntagabend in einer Amnesty-Erklärung.

Weiterhin sei es unumgänglich, Nawalnys Vorwurf zu untersuchen, wonach er vor fünf Monaten in Sibirien von staatlichen Agenten auf Anordnung höchster Stellen vergiftet wurde. Zugleich forderte Amnesty, dass sämtliche am Sonntag auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo festgenommene Unterstützer und Journalisten unverzüglich freigelassen werden.

Nawalny verhaftet: Grüne kritisieren Putin

Kritik kam auch von den Grünen im Bundestag. Die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt schrieb auf Twitter: „Der Kreml zeigt wieder eindeutig, wie er mit Oppositionellen umgeht und KritikerInnen mit allen Mitteln einschüchtern will.“

Manuel Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik, erklärte: „Der Kreml und Wladimir Putin wollen Alexej Nawalny in diesem Duma-Wahljahr um jeden Preis aus dem Verkehr ziehen.“

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im EU-Parlament, Ska Keller, reagierte mit einer einfachen Forderung: „Free Nawalny immediately!“, schrieb sie auf Twitter - „Lassen Sie Nawalny sofort frei!“

Der künftige US-Sicherheitsberater Jake Sullivan hat die sofortige Freilassung des in Moskau festgenommenen Kremlkritikers Alexej Nawalny gefordert - und der Regierung in Moskau schwere Vorwürfe gemacht. „Herr Nawalny sollte umgehend freigelassen werden“, schrieb Sullivan am Sonntag auf Twitter. Zudem müssten die Verantwortlichen für Nawalnys Vergiftung in Sibirien vor fünf Monaten zur Rechenschaft gezogen werden. „Die Angriffe des Kremls auf Herrn Nawalny sind nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte, sondern ein Affront gegen das russische Volk, das sich Gehör verschaffen will.“

Auch EU-Ratschef Charles Michel fordert die sofortige Freilassung des Kremlkritikers. Die Verhaftung des 44-Jährigen unmittelbar nach seiner Ankunft in Moskau sei inakzeptabel, schrieb Michel am Sonntag auf Twitter. „Ich rufe die russischen Behörden auf, ihn sofort freizulassen.“ Ihm schloss sich der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell an. Er schrieb auf Twitter, eine politische Instrumentalisierung der Justiz sei nicht akzeptabel.

Nawalny noch am Flughafen verhaftet

Nawalny war gleich nach seiner Landung festgenommen worden. Der 44-Jährige sei zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, teilte der Strafvollzug zur Begründung mit. Bis zur Entscheidung des Gerichts bleibe er in Untersuchungshaft. Der Kremlkritiker soll während seines Aufenthalts in Deutschland, wo er sich von dem in Russland verübten Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben.

Nawalnys Team spricht von einer politischen Inszenierung, um den prominenten Gegner von Präsident Wladimir Putin mundtot zu machen. Der Gerichtsprozess ist am 29. Januar geplant.

Nawalny hatte sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem als Chemiewaffe verbotenen Nervengift Nowitschok erholt. Das Attentat war am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk verübt worden. Nawalny macht Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Mordanschlag verantwortlich. Putin weist das zurück. Ungeachtet der Gefahr für sein Leben erklärte Nawalny mehrfach, dass sein Platz in Russland sei und er dort seinen Kampf gegen das „System Putin“ fortsetzen wolle.

RND/dpa/pach